Verfasst von: hoshoway | 19. Februar 2012

A very hard day at the Airport

17.02.12

Kids, in winter 2012 I had a very hard day at the Airport Jose Marti in La Habana … wäre wohl der Anfang meiner Geschichte in 15 Jahren, ist aber auch der starke Einfluss von HIMYM.
Der frühe Vogel fängt den Wurm, denke ich mir am Abend zuvor und stelle meinen Handywecker auf sage und schreibe 8 Uhr. Leider hab ich diese Nacht diesen blöden Grübelzwang, komisches Ding, lässt mich nicht einschlafen. Ich entscheide mich eine Folge der „Drei Fragezeichen“ zu hören (Elisa, ich verdamme dich auf ewig, dass du mir diesen Kinderquatsch gezeigt hast). Na also, geht doch. Nach langweiligen 5 min Hörspiel ratze ich ein.
Das Problem ist nur der nächste Morgen. Um 8 Uhr stelle ich meinen Wecker aus ohne aufzustehen und verschlafe glatt 2 Stunden. Um 10 wache ich auf. Um 11 Uhr habe ich meine letzten Spanischstunden bei Fernando und ich will ihn nicht enttäuschen, da er sich auch immer sehr viel Mühe gibt, pünktlich zu sein. Also wetze ich die gerade mal 40 cm breite und gefühlte 20 cm schmale Wendeltreppe herunter um allen schnell einen schönen Morgen zu wünschen, pfeife mir ein Brötchen rein und bin auch schon weg.
Fernando freut sich über meine deutsche Pünktlichkeit. Es sollen zwei zähe Stunden mit ihm werden. Indirekte Rede, alle Zeiten gemischt und all so was. Ich versichere ihm am Ende, dass wir uns noch mal sehen werden bevor ich abreise.
Zuhause angekommen arbeite ich mir einen Plan aus, wie ich zum Flughafen komme. Und das ist schwerer getan als gesagt. Am Flughafen sollen heute mein Prof. aus Deutschland ankommen und zwei Spanier. Vorher rufe ich auch noch am Airport an um heraus zu bekommen, wann die Flüge sind. Um 18:30 soll die Maschine aus Frankreich landen, um 19:45 die aus Frankfurt. Da ich nicht weiß, ob Profe mit der aus Frankreich kommt oder mit der aus Deutschland, entscheide ich mich frühst dort zu sein. Also wie hinkommen? Zuerst mit dem Collectivo nach Playa, dann mit dem PC hoch, an der Cujae vorbei, weiter nach Boyeros und dort in den P 16 wechseln. Ok, soweit so gut. Doch im P16 ergreift mich eine Unsicherheit, die mich erst wieder los lässt, als ich den Piloten neben mir frage, wie ich zum Terminal 3 komme. Es erschien mir am sinnvollsten von allen Leuten um mich herum den Piloten in seiner Cubana Air Uniform anzusprechen. Und wieso zum Teufel fährt ein Pilot in einem Guagua??? Kuba eben. Nach einer ausführlichen Erklärung des Piloten steige ich an der nächsten Haltestelle aus, laufe vom Terminal 2 (welches übrigens nur für Miami Flüge ist) aus 25 min bis zum Terminal 3, das internationale.
Obwohl ich 2 Stunden für meine Bustour gebraucht habe komme ich dennoch viel zu früh an. Also ist warten angesagt. Airport, der temporäre Ort an dem man nur kurz verweilt um dann in die weite Welt zu reisen. Schnelllebig, vielfältig, geregelt und bürokratisch. Ich bleibe kurz an diesem Gedanken hängen und schaue mir weiter das Treiben an. Ich warte in der Ankunftshalle auf Profe, doch kein Profe in Sicht. Also setze ich mich wieder. Langsam fühle ich mich wie Tom Hanks in „Terminal“. Die Stunden vergehen. Zwischendurch lerne ich ein paar Deutsche kennen die mir ihre Urlaubserlebnisse schildern. Aber das kenne ich nun auch schon zu genüge und ist auch meist das gleiche.
Nach einer halben Ewigkeit, 2 TuColas (kubanische Coke) und einem Sandy-Eis später treffe ich auf Frau Prof. Dr. Schmidt-Kirchberg. Ich bin ein wenig verwirrt und nach einer herzlichen Begrüßung kommt auch mein kubanischer Professor Bancrofft. Jetzt fehlt nur noch mein deutscher Professor Bühler, welcher immer noch nicht angekommen ist. Wir setzen uns gemeinsam an die Cafeteria und Frau S.-K. klärt mich auf. Sie ist schon seit einer Woche hier. Es ist schon lustig mit einer so gestandenen Frau Smalltalk zu machen und dabei auch Seiten von anderen Professoren mit zu bekommen, die ich so noch nicht kannte. Mein kubanischer Professor verlässt zwischenzeitlich den Tisch und schaut nach unserem zu erwartenden Gast. Frau S.-K. macht sich über den kubanischen Prof. lustig, der seine Fäuste tief in seine Hüften gebohrt hat und sagt: „Jetzt steht er da schon wieder, als gehöre ihm die ganze Welt.“ Ich muss auflachen.
Und dann erscheint auch schon der ehemalige Dekan meiner Fakultät, Prof. Bühler. So dick ist er nun gar nicht geworden, wie mein kubanischer Profe letztens meinte. Aber wenn man hier in Cuba sagt, dass jemand zugenommen hat, dann ist das keine Beleidigung wie in Deutschland, sondern vielmehr ein Kompliment.
Mein Ex-Dekan fragt mich, ob ich denn schon gehört hätte, dass unser Bundespräsident nicht mehr länger Bundespräsident ist. Christian Wulff hat ja wirklich ganze Arbeit geleistet und setzt den Schlendrian Guttenbergs fort, pfff. Und tatsächlich haben sie das hier schon in den Nachrichten gebracht. Er witzelt darüber, dass er gesehen hätte, welches Haus er sich von seinen krummen Geschäften gekauft hat und bei diesem Stilbruch wohl auch lieber gegangen wär’. Architekten unter sich, haha.
Mein kubanischer Professor möchte die beiden Profs jetzt erstmal nach Hause begleiten und ich schlage vor, dass ich solange hier am Flughafen auf ihn warte und die Spanier aus Madrid empfange, welche um 21:45 ankommen sollen.
Es ist nämlich so, um mal gerade zu erklären, was hier vor sich geht: Die gerade erwähnten Professoren sind Organisatoren der „Caribbean Winter School“, welche hier jedes Jahr stattfindet. Das ist ein dreiwöchiger Workshop zu dem Studenten aus ganz Europa kommen. Ca. 27 werden es wohl sein und die ersten zwei Studenten kommen eben heute schon an. Sich auf so coole Art und Weise ein paar Credit Points zu verdienen hat eben auch seinen Reiz.
Also stelle ich mich an den Ausgang vom Westsaal und halte mein Schildchen mit den Namen der beiden hoch. Zwischendurch kommt Carlos vorbei. Ein Spanier der aber hier in Cuba wohnt und den ich durch Paola kenne. Er erwartet heute seine Eltern hier am selben Ausgang. Zufälle gibt es. Boris ist auch da.
Nach kurzer Zeit kommen die beiden Architekturstudenten aus der Tür. Ein bisschen verwundert sind sie, weil ich sie empfange. Das sagen sie zwar nicht, aber ich kann es in ihren Gesichtern lesen. Ich glaube sie haben jemanden anderes erwartet. Ich erkläre den beiden, Juan und Rosana, dass ich stellvertretend für el Profe eingesprungen bin.
Und so kommt es, dass wir gemeinsam auf el Profe warten. Als er wiederkommt begrüßt man sich herzlich. Spanier mit zwei Küsschen, Kubaner nur mit einem, HAHA.
In einem Lada sausen wir zu fünft ins Centro, genauer gesagt Habana Vieja, wo die beiden in einem alten Kloster untergebracht werden. Verfallen aber doch charmant und gepflegter als so manch anderes Haus mit schönen Innenhöfen präsentiert sich das alte Kloster. Hier werden die Beiden zusammen mit den anderen Master-Studenten die nächsten drei Wochen mit Projekten verbringen. Aber morgen, so habe ich vorgeschlagen, zeige ich den Beiden erstmal die Stadt. Jedoch müssen sie sich nach einem 24 Stundentag erst einmal richtig erholen.

Verfasst von: hoshoway | 15. Februar 2012

Valentinstag

14.02.12

Ein weiterer Tag auf Kuba vergeht rasend. Am Morgen habe ich Spanischunterricht bei Fernando. Die erste Stunde wird durchgeackert und die 2. Stunde nur gequatscht. Über kubanische Traditionen, über Religionen und Freizeit. Mir kommt es so vor, als bestimme die Freizeit das Leben der Kubaner, HAHA.
Danach noch schnell Geld umtauschen in der neuen Cadeca gleich ums Eck. In der Schlange stellen sich zwei Deutsche hinter mir an. Ich frage sie, woher sie kommen und was sie hier so machen. Sie erzählen mir mit ihrem bayerischen Dialekt, dass sie hier eine Rundreise auf eigene Faust unternommen haben. Die touristischen Plätze haben sie dabei aber gemieden. 3 Wochen lang, und eigentlich ab jetzt noch 2 Wochen. Jedoch haben sie ihren Flug um zwei Wochen nach vorn verschoben, weil sie einfach kein Bock mehr auf Kuba haben. Grund hierfür ist zum Beispiel, dass sie sich einfach immer verarscht gefühlt haben. Verarscht und abgezockt. Nun gut, jedem das seine. Entweder man findet sich in einer Kultur ein oder eben nicht.
Danach fahre ich erstmal zurück nach Hause. Percy ist im Moment krank und hat Magenbeschwerden. Er war auch schon im Krankenhaus, aber die wissen nicht genau was es ist. Als ich jedenfalls zurückkomme, finde ich Percy im Studio schlafend vor. Neben meinem Bett liegt eine selbst gemalte Karte auf der steht: Happy Friendship Day! Zu sehen ist Percy und ein singender Hund, Chester, und natürlich ich. Darauf liegt eine dicke fette Schokolode. Ich freu mich riesig.
Heute ist Valentinstag, hier genannt: „Dia de los enamorados – Tag der Verliebten“. Und die Kubaner nehmen das wirklich ernst. Den ganzen Tag sehe ich Männer durch die Stadt laufen mit Blumen in der Hand oder bedruckten, herzförmigen Luftballons. Süß, denke ich mir noch so, als ich im nächsten Moment einen Anruf einer ganz bestimmten Person bekomme. Ja, sie würde mich gern später sehen und hätte auch ein Geschenk für mich. Aaaaaarg, wieso das denn jetzt? Jetzt muss ich mir auch noch was aus den Fingern saugen. Schnell suche ich ein paar Kleinigkeiten zusammen, bespiele einen USB.Stick mit deutscher Musik und gemeinsamen Fotoaufnahmen. Puh, geschafft. Am Abend treffen wir uns dann alle im Haus von Paola, ehemals Tim und Andreas um Tims Abschied zu feiern. Er verlässt morgen das Island und mit jeder Person die geht, geht auch ein Stück Familie. Zurück bleibt jedoch die Erinnerung.

Verfasst von: hoshoway | 12. Februar 2012

Verabschiedung Andeas

07.02.12
Heute melden sich endlich die Jungs (Tim und Andreas). Am Abend trifft man sich im Casa Paola. Die Jungs haben einiges von ihrem Mexiko-Trip zu erzählen. Mexiko scheint sehr vielfältig zu sein, ein Land mit viel Kultur und Lebensfreude. Gefährlichen Situationen waren sie wohl nie ausgesetzt, obwohl Mexiko ein sehr gefährliches Land sein soll.
09.02.12
Am Morgen bekomme ich einen Anruf von Andreas. Er hat heute einen Auftritt in der Cujae bei dem Kulturfest der Fakultät Mecanica. Ich sage ihm, dass ich da sein werde. Auch um ihn dabei zu filmen. Percys Ma bringt uns zur Uni und so bin ich schon etwas früher dort. Zeit sich noch eine kleine Pizza zu holen (das Zeug kann man echt nicht Pizza nennen, aber es sieht jedenfalls so aus wie Pizza).
Andi hat einen Trompetenauftritt mit Wendy, eine Kommilitonin die ihn am Klavier begleitet. Coldplay – Lost soll es sein. Nach einigen technischen Schwierigkeiten bei der Probe, haben sie dann doch noch am Ende der Vorstellung ihren Auftritt.
Am Abend trifft man sich zu einem gemeinsamen Abschiedsessen (für Andreas). In dem Restaurant am Parque Lenin gibt es Langusten für 10 CUC. Ich bin kein begeisterter Fan von Langusten, aber der Gruppenzwang tut dann doch sein übliches und so bekommen wir später Languste am Spieß serviert. Die Anderen sind restlos begeistert, aber wie gesagt, bin ich kein großer Fan davon.
Mit vollgeschlagenen Bäuchen überqueren wir die Straße um dann auch schon ins Amarillo Submarino – Yellow Submarine zu gehen. Die Bar ist wirklich fantastisch. Liveauftritt einer Coverband und coole Innenarchitektur laden zum tanzen, träumen und verweilen ein. So ganz untypisch für Kuba ist diese Bar am John Lennon Park.
10.02.12
10:30 Uhr: Spanischkurs bei Fernando. Der Typ ist mir echt ans Herz gewachsen. Zwar ist er durch und durch Kubaner, aber hat etwas, was ich den „Weltblick“ nenne. Hinterfragt alles genau und lässt sich nicht rumschubsen. Nach fast 2 Stunden Spanischunterricht, dann die geplante Überraschung: Tim und Andreas kommen ein letztes Mal vorbei um Fernando Tschüss zu sagen und ihm mit einem Bier zu danken. Bier um 12:30 Uhr. Es wird sich noch mal unterhalten, Fotos geschossen und sich für die schöne Zeit bedankt. Es ist Andreas letzter Tag hier in Kuba. Wenn man 5 ½ Monate ständig zusammen war, ständig etwas unternommen hat und man wusste, dass man sich hier auf seinen Kollegen, vielmehr Freund verlassen kann, dann kann ich wohl sagen, dass ein Abschied schwer fällt.
Aber so verbringen wir noch mal einen ganzen Tag zusammen. Nach dem Fernando Besuch geht es zu Elisa, tschüss sagen. Die Kubaner fragen dann immer: „Ja und wann kommst du zurück?“ Und wenn man dann antwortet: „Ähm, vll. nie?“, dann schauen sie immer ganz erstaunt. Darum sagen wir jetzt schon immer so was wie: „Na, vll. in ein paar Jährchen“.
Und so ziehen Andreas, Tim und ich weiter zu Paola um ihr auch noch mal tschüss zu sagen und dort Fotos auszutauschen. Paola kann es auch schwer fassen, dass Andreas nun für immer gehen soll. Es werden natürlich schon Pläne geschmiedet wie: Ja, dann treffen wir uns dieses Jahr mal in Cadiz, alle zusammen. Aber wie das immer so ist, wird das nicht zustande kommen. Ganz evtl. nur.
Und so gehen die drei Herren von der Tankstelle ein letztes mal zusammen essen. Eine Cafeteria tut’s für diesen Zweck. Ein letztes mal für Andreas kubanische Feinkost, HAHA. (Man Andreas! Unser Abschied auf der Straße war wirklich so, als sehen wir uns Morgen wieder. Aber Gießen ist ja jetzt auch keine Weltreise ;-)
So, und am Abend treffe ich mich dann mit Tim und den Mädelz im Habana Libre. Danach gehe ich mit Tim essen, in eine unserer Lieblingscafeterias und unterhalten uns noch mal über gute alte Zeiten und über diesen verrückten Typen namens Andi J Nun, für ihn geht es auch schon nächste Woche zurück nach Belgien. Morgen schaut er sich aber noch mal mit den Mädelz Trinidad an. In einer kleinen Truppe lassen wir den Abend noch in Habana Vieja auf meinem Lieblingsplatz bei Dunkelbier ausklingen.

Verfasst von: hoshoway | 9. Februar 2012

Kuba – La Realidad

03.02.12

Kubaner sind im Allgemeinen gastfreundlich, lebensfroh, aufgeschlossen und gebildet. Kubaner sind aber auch rabiat, ohne Manieren und räuberisch.

In diesem Teil meine lieben Leserinnen und Leser, geht es um die Schattenseiten einer Gesellschaft, die an ihren alten Werten so sehr festhält, dass es ihr zum Verhängnis wird.
Dass der Schwarzmarkt auf Kuba vll. nicht als solcher bezeichnet wird, sondern eher als „Hilfsmittel zum Überleben“, ist evtl. schon bekannt. Und trotzdem ist vieles nicht moralisch vertretbar. Das System schadet sich selber, indem es nicht genügend Kapazität hat, diesen Markt zu kontrollieren bzw. diese „Kapazitäten“ selbst infiltriert sind. So ist natürlich auch die Korruption ganz eng mit diesem Markt verbunden.
Aber wo fange ich am besten an? Der Ursprung ist in der Gesellschaft verankert, welche sich entwickelt und immer mehr Ansprüche hat. So lebte man vor einigen Jahren noch ganz einfach mit den Produkten, die es vor Ort gab und einigen importierten Produkten. Man hatte seine Libreta, mit der man billig einkaufen gehen konnte um vom Staat subventionierte Lebensmittel und tägliche Gebrauchsartikel zu bekommen. Die Produkte auf der Liste der Libreta werden aber immer weniger. Und so muss man sich sein Klopapier für teuer Geld im Supermarkt kaufen und auch das Shampoo und weitere Artikel für das tägliche Leben. Nun liegt das Einkommen eines Arztes aber ungefähr bei 30 Euro im Monat, wenn überhaupt. Aus der Not heraus muss man sich Geld und Produkte von anderswo holen und da hilft einem der Schwarzmarkt weiter. Natürlich sind auch die „importierten“ Touristen ein Anlass, Produkte wie Adidas, Ipod oder Uhren zu kaufen, denn sie sind es, die den Kubanern das exklusivere Leben „vorleben“. Hier werden weitere Bedürfnisse bei den Kubanern geweckt.

Alles nur geklaut!
Das Diebesgut ist unter uns. An jeder Ecke, jede Wandfarbe, jede Pizza und jedes Eis (ich übertreibe ein bisschen).
Ein Beispiel: Das private Schlachten von Rindern ist in Kuba verboten und falls man erwischt wird, wandert man für 10 Jahre in den Knast! Das ist kein lustiger Witz, sondern Gesetz. Jetzt gibt es da den Firmenbesitzer oder die Aufsichtsperson einer Ranch. Dort werden Kühe ganz normal gemolken um die kostbare Milch dann in Tetrapacks zu verkaufen. Jetzt verletzt sich aber eine Kuh unter mysteriösen Umständen das Bein und es ist sogar so schlimm, dass die Kuh eingeschläfert / geschlachtet … was auch immer werden muss. Das entscheidet natürlich der Arzt, der hinterher auch ein Stückchen vom Fleisch abbekommt. So wird diese Kuh also nicht einfach begraben, sondern das kostbare Fleisch wandert ganz unauffällig in die Taschen einiger Leute. Da ist der Arzt und dann noch eine Aufsicht und das fetteste Stück bekommt natürlich der Besitzer. Die Fleischstückchen minderer Qualität gehen an die Arbeiter und an das Dorf.
Und am Abend erfreut sich der Besitzer mit seiner Familie an diesem schönen illegalen Luxus.

Anderes Beispiel: Der Anführer der Jugendpartei lebt etwas weiter weg, nähe La Habana del Este. Dort hat er wie auch immer, ein größeres Anwesen. Das ist allerdings von hohen Mauern umgeben und nach einiger Zeit werden die Leute Misstrauisch. Sie stellen Nachforschungen an und das der Mann auf einmal zwei Autos besitzt, kommt ihnen komisch vor. Schließlich ist das doch hier Sozialismus. Sie geben Fidel bescheid, doch der unternimmt nichts. Die Jahre vergehen, doch die Leute lassen nicht locker: „Der führt doch was im Schilde!“. Fidels Erklärung dafür ist, dass diese Leute doch neidisch seien und schenkt Ihnen kaum weiter Beachtung. Eines Tages lässt er sich dann aber doch überreden, einen Inspekteur vorbei zu schicken… und siehe da. Dieser Man hat viele krumme Geschäfte am laufen und wandert direkt mehrere Jahre ins Gefängnis. (er hatte z.B. auch auf seinem Grundstück angebaut oder ein weiteres Haus gebaut, ohne Genehmigung).

Die Cafeterias auf den Straßen kaufen ihre Produkte illegal, auch am Schwarzmarkt. Freunde von den Besitzern arbeiten z.B. bei einer Brotfabrik. Da gibt es z.B. viel Mehl für den Pizzateig, was im Supermarkt einige CUCs kosten würde. Der Mann mit dem Mehl sagt also zu dem Cafeteriabesitzer, dass es kein Problem sei. Gegen ein bisschen Geld bekomme er einen Sack, für ein bisschen mehr Geld auch zwei Säcke. Das Diebesgut wird also wenig später in den Pizzas verarbeitet die ich dann auf der Straße esse. Vieles ist natürlich auch von niedriger Qualität… Restposten, die eigentlich nicht mehr verwendet werden sollten, zu einem günstigen Preis verkauft werden und sich wiederum in meiner Pizza vom Pizzamann an der nächsten Ecke wieder findet.
Auch Fleisch, welches vor dem Verkauf gewogen wird um zu sehen, wie viel Ertrag es bringt muss eingetragen werden. Wenn man nun aber die Zahlen ein bisschen türkt, anstelle von 40 Kg 30 Kg einträgt, bleiben 10 Kg für den Verkäufer welcher wiederum das Zeug unter der Hand loswird oder für sich selbst gebraucht.

Und so kummeln auch größere Restaurants rum, und hier und dort verschwindet immer ein bisschen. Weil es zu wenige Kontrollen gibt, ist das zurzeit auch noch möglich. Und wenn es dann doch mal ein
Kontrolleur sieht, wird für ein paar CUC auch schon mal ein Auge zugedrückt. Und so wird in Kuba geklaut was das Zeug hält, wird auf dem Schwarzmarkt verkauft und schadet somit dem Staat.

Das beschriebene Ereignis mit meinen Eltern in der Apotheke von Varadero eignet sich natürlich auch wunderbar als Beispiel.

Ich könnte noch so viele weitere Geschichten aufzählen, die ich zwar nicht mit eigenen Augen gesehen, aber von sicheren Quellen gehört habe.

Die schönen weißen Papiertüten der Manis (Erdnüsse) welche es normalerweise für teures Geld im Laden gibt, Öl für Taxen, Fleisch, elektronische Artikel, überall wo man hinsieht, sieht man illegale Waren. Und damit übertreibe ich nicht im Geringsten.

Doch wer ist Schuld an allem? Ganz genau! Der Oberste im Lande. Ich sehe dieses System aussterben und wenn es nicht bald massive Reformen gibt, war’s das. Denn die Regierungsheinis wollen und können wohl nicht sehen, können nicht auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen. Hier ist alles so kurzlebig wie eine Fliege und auf diesem Niveau wie jetzt, wird sich das ganze nicht länger als 10 Jahre halten können = meine Prognose ;-)

Aber das sind alles Dinge, die man nur erfährt, wenn man hier für etwas länger lebt, sich mit den Leuten auseinandersetzt und immer ein offenes Ohr und die Augen weit geöffnet hat.
Vielen Dank und für Kommentare bin ich immer offen.

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4.02.

Gestern Abend habe ich dann noch, und jetzt kommt’s: HERRENCREME gemacht. Dabei hatte ich das schon seit Monaten vor. Jedoch gibt es erst seit einigen Tagen Sahne hier auf Kuba in den Märkten. Leider ist es nur diese blöde Sprühsahne aus der Dose, die sie jetzt importieren und sage und schreibe 8 DOLLAR kostet. Unglaublich. Die Zartbitterschokolade aus Spanien ist unter aller Qualität, aber ich vermische sie später mit Resten meiner deutschen Schokolade. Perfekt. Der Vanillepudding ist von Zott, damit kann man also nichts falsch machen. Und der Rum? Das war wahrscheinlich die erste Herrencreme die ich in meinem Leben gegessen habe, die 7 jährigen Rum drin hatte, HAHA. In Deutschland einfach zu teuer, das Zeug.
Mama, Oma, Mercy und Percy haben mir gute Referenzen gegeben. *stolz*

Am Abend überredet mich Percy dann noch, mit ihm und seiner Freundin in die Sauce zu gehen, eine Art Open-Air Tanzclub. Dort treffen wir auf Dani, einen Freund von Percy, der heute dort in seinen Geburtstag reinfeiern möchte. Es kommen einige Leute und wir bestellen uns zusammen diese großen Biersäulen mit Zapfhähnen, an denen man sein Bier dann am Tisch selber zapfen kann. Das Bucanero (wenn es überhaupt Bucanero ist), ist übelst gestreckt aber tut seine Wirkung. Und der Sänger scheint wirklich n lustiger Vogel zu sein, leider kann ich nur über die hälfte seiner Witze lachen, weil er zum einen so schnell spricht und zum anderen vieles Insiderwitze sind. Lustiger Abend mit wirklich untypischen Kubanern, alle aus privilegierter Schicht, so scheint mir.

Und heute habe ich persönlich Omara Portuondo treffen dürfen. Sie hatte einen Auftritt in einer Jazz Bar in Calle 23. Ihr kennt sie vll. durch die letzte CD von Rhythms del Mundo, wo sie „Killing me softly“ singt. Sie ist hier ein Star und hat viel mit dem Buena Vista Social Club gesungen. Die verbliebenen des Buena Vista Social Clubs waren auch in der Musikbar und der Eintritt war sogar gratis. Maria hat dann noch ein Foto von mir und Omara geschossen, yeah!
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06.02.12

Gestern Nacht noch lange an meinem Projekt gearbeitet, geht es heute zur Cujae um mich mit meinem Profe zu treffen. Doch der Weg dorthin ist verdammt noch mal beschwerlich. Als ich am Morgen höre, dass Percy heute kein Auto zur Verfügung hat, ist meine Laune schon etwas geschwächt. Dann heißt es 15 min auf den P10 warten. Danach 5 min zum PC laufen. Wieder warten. Warten. Alle quetschen sich in den PC. Und dann fängt es auch noch an zu regnen. Aaaarg. Das heißt, alle Fenster zu und schwitzen. Die Luftfeuchtigkeit bei 80 Menschen im Guagua ist unerträglich. Aber gut das Percy dabei ist. Geteiltes Leid ist halbes Leid und immer noch besser als bei -15 Grad zu frieren, wie gerade in Europa ;-)
Im Bus höre ich diesen Song von Barry Manilow – Copacabana und ich frage Percy, ob er den Song kennt. Ja, sagt er. Er klärt mich darüber auf, dass es sich dabei aber nicht um die Copacabana in Rio de Janeiro handelt, sondern wenn man genau auf den Songtext achtet, geht es um das gleichnamige Hotel gleich bei uns ums Eck, hier in Habana. Cool!
At the Copa Copa Cabana the hottest spot north of Havana
at the Copa Copa Cabana music and passion were always the fashion
at the Copa they fell in love
An der Cujae angekommen geht es erstmal bei den Kioskos Pizza essen. Keine Zeit für Marias, zu weit weg. Und wenig später treffe ich auf Paola. Sie sagt, dass sie jetzt die Tickets für Santiago de Cuba holt. Man. Ich schwanke noch, denn 14 Stunden (und es werden sowieso mehr) in nem blöden Zug sitzen, wo sie klauen und die Sitze so bequem wie Steinhaufen sind, dass muss ich mir nicht unbedingt reinziehen. Verlockend ist der Preis, von gerade mal 73 Pesos, also 3 Dollar. Die andere Alternative wäre Bus oder Flugzeug. Außerdem hatte ich schon Max zugesagt, dass wir uns Santiago ansehen, also werde ich es wohl lieber für’s erste sein lassen.
Heute kommen auch Tim und Andreas aus Mexico zurück. Bin gespannt was sie so zu erzählen haben.

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09.02.

Vorgestern sind Tim und Andreas ja zurückgekommen. Also haben wir gestern ne kleine Sause bei Paola gestartet. Die beiden haben viel erlebt in Cancun und Umgebung.
Schon irgendwie schade. Jetzt neigt sich alles dem Ende zu. Andreas verlässt uns schon diesen Freitag und Tim hat noch eine Woche länger. Meine Vertiefungsarbeit macht auch Fortschritte und so dürfte ich bald mit einigen Credit Points dieses Land verlassen.
Joa, soweit zum Stand der Dinge hier in der Karibik.

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Und hier noch eine kurze Gebrauchsanleitung, wie man mit Kuba in Kuba Geld verdienen kann ;-)

Man suche sich ein Produkt aus, welches es hier noch nicht gibt, jedoch sehr nützlich ist.
Ideal: Moskitonetze.
Nun schaut man nach günstig produzierten Moskitonetzen aus China. Perfekt.
Jetzt muss man das Zeug nur noch rüberschiffen. China hat den Vorteil, dass sie direkt nach Kuba exportieren können und es nicht so viele Schwierigkeiten gibt. Andere Länder müssen kompliziert über Panama exportieren. Nun das Zeug noch in die Läden bringen. Die Leute werden es lieben und dementsprechend auch ein bisschen dafür zahlen.
Also, probiert’s aus ;-) HAHA

Verfasst von: hoshoway | 4. Februar 2012

Kulturfest

02.02.12

Nachdem Percy und ich in den letzten Tagen für ein Kulturfest rumgewerkelt haben, ist es heute soweit. „Festival de la Cultura: Habana – Paris“ der Architekturfakultät. Am Morgen treffe ich auf den völlig verschlafenen Percy, welcher diesmal anstatt 5 Stunden nur 1 Stunde Schlaf bekommen hat. Grund hierfür ist das eben genannte Kulturfest. Ich entscheide mich gegen 12:oo dort einzutrudeln. Nachdem ich mir mit Percy genüsslich die Proben von zwei Kommilitoninnen beim Flamenco Tanzen angeschaut habe, gehen wir erst einmal gegenüber in den Kioskos etwas essen. Plötzlich vernehme ich ein lautes Knacken bei meinem Freund und Kupferstecher. Aber was ist das? Ein kleiner Stein ist in seinem Congri. WIESO zum GEIER können die Kubaner nur nicht kochen? Insekten, Steine, Knochen, Haare… ich hatte schon so ziemlich alles in meinem Essen. Aber Percy hat wirklich Pech. Als er sich zu mir dreht und er mich fragt: „Sag mal, fehlt da etwas?“, muss ich lauthals auflachen! Man, dabei meine ich es ja gar nicht so. Wir hatten nur in den letzten Tagen noch Hangover 1 gesehen und es erinnert mich zu sehr an die Szene, in der dem Zahnarzt auf einmal ein Zahn fehlt. Ein kleines Stückchen von seinem Schneidezahn ist abgebrochen. Super ärgerlich und wahrscheinlich zu klein für einen Zahnaufbau. Percy besteht darauf, nicht zu bezahlen und sagt der Köchin, dass er nicht mehr zum Essen hierher zurückkehren werde.

Danach geht es aber erstmal einen Guarapo (Zuckerrohrsaft) schlürfen, die in der Qualität ziemlich unterschiedlich sind. Dieser ist aber sehr gut.

Das Festival muss man sich nun so vorstellen. Erst einmal stehen die ganzen Studenten wartend vor der Tür und sobald die Tür aufgeht, quetschen und drängen sich die Kubaner wie Tiere durch die Tür. Ich hasse dieses Verhalten so abgrundtief. Bei den Bussen ist es teilweise das gleiche.

Dann hat ja, oh Wunder, doch jeder seinen Platz im großen Theatersaal gefunden (ganz recht, die Cujae verfügt über einen Theatersaal). 40 Minuten verspätet (das ist normal und stört mich auch nicht mehr) geht die Vorstellung dann los. Eine ganz lausige Moderatorin gibt das Programm durch. Begleitet von einer Pantomime, die ihren Job wirklich gut macht. Das Bühnenbild ist wirklich schön, wenn man bedenkt, dass es hier nicht so die Materialien gibt wie bei uns. Habana – Paris ist ja das Thema. So haben einige wirklich talentierte Kommilitonen Auftritte. Sei es nur mit deren klassischer Gitarre oder gleich mit einer ganzen Rockband. Zwischendurch gibt es immer lange Pausen, weil man mit der Technik nicht hinterherkommt. Und dann wird ein Video eingespielt, welches von Mayatempeln und Azteken handelt. BITTE was? Ist das nun ein Kulturfest zwischen Habana und Paris oder eine TSCHAU – Vorlesung, wie man sie jeden zweiten Tag hat? Aber nach dem Video geht es ganz normal weiter.

Und dann kommt auch schon Percy auf die Bühne. Die ganze Nacht hat er unter anderem an dieser Rede gearbeitet. Es geht um Gemeinsamkeiten, mehr aber um die Unterschiede zwischen den beiden Stätten. Ca. 200 Studenten sperren gespannt ihre Lauscher auf. „Sehr geehrte Damen und Herren. Ich möchte ihnen zunächst eine Dokumentation über die Maya zeigen“. Das Publikum tobt. Super Gag zum Start. Und dann geht seine Rede los. Ein Satz lautet zum Beispiel: „[…] Paris ist dafür bekannt, dass es die Stadt der Lichter ist, Habana ist dafür bekannte, dass es die Stadt ohne Lichter ist. Paris hat eine Insel in der Stadt, La Habana ist die einzige Stadt, die diese Insel hat. […]“ So wird das Publikum Satz für Satz zum lachen gebracht und Percy erntet nach seiner Rede einen fetten Applaus. Danach leitet er das Video ein, welches die Fotomontagen zeigt und welches ja von seinem deutschen Freund erstellt wurde *stolz*. Also Film ab. Großes Gelächter. Sacre Coeur auf dem Plaza de la Revolucion, Der Eifelturm am Punto de Morro und der Salon Rojo wurde zum Moulin Rouge umgebaut … und so weiter.

So gesehen ist das ja alles ein großer Erfolg, wären da nicht die technischen Probleme des blöden Laptops, der die ganzen Videos abspielt. Es harkt und ruckelt, wahrscheinlich zu wenig Ram-Speicher. Zum Schluss hat auch noch Adela einen kleinen Auftritt zu dem Song: Voulez vous couchez avec moi..

Müde und geschafft, kehren Percy und ich mit dem P9 zurück.

Verfasst von: hoshoway | 4. Februar 2012

Elternbesuch 2

Also vorab: Ich möchte mich bei meinen treuen Lesern (und die scheint es ja tatsächlich zu geben) dafür entschuldigen, dass ich einen halben Monat lang nichts verfasst habe. Mein Kubaaufenthalt neigt sich langsam dem Ende zu, und viele Dinge müssen aufgeholt werden. Deswegen habe ich keine Zeit gefunden, über Ereignisse zu schreiben. Die folgenden Einträge versuche ich so gut wie möglich wieder zu geben.

01.01. und folgende

Nachdem wir den Neujahrstag am Strand von Cayo Coco verbracht haben, besuchen wir am 02.01. die westliche Nachbarinsel Cayo Guillermo. Diese kleine Insel ist nur 13 km² groß. Hier gibt es eine unglaubliche Unterwasserwelt, die bei Tauchern sehr beliebt ist. Hemingway kam zum Fischen hierher und verarbeitete die Gegend literarisch in seinem Buch „Inseln im Strom“. Nach seiner Yacht „Pilar“ wurde der schönste Strandabschnitt Play Pilar benannt. Dieser gehört zu den schönsten Stränden Cubas!

In den folgenden Tagen geht unsere Reise weiter. Zunächst nach Santa Clara, die Ché – Stadt, wo Ché in einem aufwändigen Monument begraben liegt. Die Stadt versprüht ihren Charme. Das kommt zum einen durch die vielen nationalen und internationalen Studenten, zum anderen durch das Provinzielle. Alles ist sehr ruhig im Vergleich zu Habana und die Leute sind NOCH freundlicher. Diesmal habe ich mit meinem Papa einen netten Abend im Café Europa (empfehlenswert da sehr preiswert) bei coolen Unterhaltungen verbracht. Ich werde auch noch in diesem Blog alle Adressen der besuchten Casas mit Kosten und Infos verzeichnen. Meiner Mutter haben wir dann ein Thunfischsandwich mitgebracht. Sie hatte es vorgezogen in der Casa zu bleiben, da es an diesem Tag ausnahmsweise mal ziemlich kalt war. Auf unserer Reise haben sich meine Eltern und ich jedenfalls einige Magenverstimmungen zugezogen und das, obwohl wir die meiste Zeit in Hotels verbracht haben.

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Nach Santa Clara geht es am 04.01. weiter nach Varadero, um dort die restlichen Tage auszuspannen. Um 16:30 Uhr erreichen wir unser Hotel. Hier wollen wir noch 5 Nächte verbringen und relaxen. Das Hotel in dem wir untergekommen sind ist riesig, wirkt aber trotzdem gemütlich und liegt in einem großen Palmengarten mit riesiger Poolanlage. 6 Hotelgebäude umfasst der Komplex inklusive dem architektonischen Schmuckstück namens „Casa de las Cosmonautas“ (welches laut meines kubanischen Professors wohl Stil hat, man jedoch einiges hätte besser machen können). Zahlreiche individuelle Restaurants und Bars laden zum Schlemmen ein. „Sol Sirenas Coral“ nennt sich das All-Inclusive Hotel und ist in der Mitte der Halbinsel Varadero zu finden.
Eine Geschichte zu unserem Varaderourlaub picke ich dann doch noch mal heraus um zu zeigen, dass selbst in den touristischsten Gebieten kubanische Verhältnisse herrschen. Am ersten Abend in Varadero merkt mein Vater nämlich, dass er Probleme mit seinen Zähnen bekommt. Er hat eine geschwollene Wange (eitriger Zahn). Zum Spaß sagt er, dass wir ja Gott sei Dank All-Inclusive haben. So könne er doch jetzt einfach über den normalen Durst hinaus kubanischen Rum trinken, um dann betäubt seinen nervenden Zahn zu ziehen. Gesagt, getan. Nach einigen genüsslichen Schlückchen (damit meine ich Gläschen [mit Gläschen meine ich ganze Gläser!!]), verschwindet mein Vater alleine auf’s Zimmer, da ich mit Mutter noch die Umgebung erkunden möchte (wobei wir auch das Casa de las Cosmonautas entdecken) und als wir wiederkommen ist es schon geschehen. Vater hat sich einen Zahn gezogen (tapfer wie wir Deutschen eben sind, selbst unter Alkoholeinfluss *thumbs up*), jedoch ist damit der ganze Spuk noch nicht vorbei. Der Zahn ist abgebrochen. Nun, also muss am nächsten Tag die kubanische Zahnfee ran. Doch wo einen Zahnarzt aufgabeln? Man sagt uns, dass im touristischen Krankenhaus Varaderos zwar alles vertreten ist, jedoch kein Zahnspezialist. Die einzige Option sei aber ganz in der Nähe. Also nehmen wir uns ein Taxi (handelt in Varadero wirklich so viel wie möglich runter, alles andere ist Verarsche und reine Touristenabzocke) und statten dem Zahnarzt der Einheimischen eine Visite ab. Viele Kubaner warten im Wartezimmer. 4 Leute sitzen an der Rezeption und wie das nun mal in Kuba so ist, telefoniert die eine während die anderen drei gerade mal nichts tun. Ich frage einfach mal so in die Runde rein, ob das hier überhaupt der Zahnarzt ist. Ja, so sei es. Ich frage, ob sie nicht meinem Paps helfen können und versuche ihnen so gut wie möglich zu erklären, was ihm fehlt (geschwollene Wange und ein halber Zahn, ich weiß^^).
Die Frauen besprechen sich und ich höre heraus, dass es doch wohl besser sei, das im Krankenhaus gleich nebenan machen zu lassen. „Ach ihr Unwissenden“, denke ich mir und kläre die Leute, die verdammt noch mal hier WOHNEN!!, darüber auf, dass es dort keinen Zahnarzt gibt.
„Ah, ja! Stimmt ja!“ – „Also helft ihr nun meinem Paps?“. – „Klar“. Es kristallisiert sich heraus, dass eine dieser Schnarchnasen die Zahnärztin höchstpersönlich ist. Dann stellt sich heraus, dass diese Frau aber ganz fähig zu sein scheint. Sie erklärt mir sehr genau wo das Problem liegt, möchte daran nicht weiter herumbasteln sondern ihm erst einmal Antibiotika gegen die Schwellung verschreiben. Puh, aufatmen angesagt. Denn ihr wollt nicht wissen, wie hier die ärztlichen Räumlichkeiten aussehen und wie es um deren Hygiene bestellt ist. Am Ende bittet die Zahnarzthelferin um ein kleines „Regalito – Geschenkchen“. Mh, denke ich mir. Hab aber nix. Will se jetzt nen Blumenstrauß, oder wie? Ich sage, dass ich nichts zum verschenken habe, als beim hinausgehen klar wird, dass damit natürlich Geld gemeint ist. Also gebe ich der Ärztin 3 CUCs in die Hand und wir verschwinden.
Wir sollen zu einer ganz bestimmten Apotheke gehen, wo es die Tabletten für MN geben soll, also einheimische Preise. Hört sich gut an! (und ist eigentlich nicht erlaubt). Man wartet schon bereits auf uns. Die Apothekerin führt uns in einen alten Hinterraum wo gerade Handwerker arbeiten. Diese werden aber höflich heraus gebeten. Nun kommt eine zweite Frau mit den Tabletten. Mehr als wir eigentlich brauchen. Auch sie wollen wieder eine kleine Spende haben. Die Tabletten kosten für Kubaner einen feuchten Pups, für uns Touristen in den touristischen Apotheken aber ne Stange Geld. Wenn wir der guten Frau, die wirklich ganz jämmerlich zittert vor Angst (HAHA, als würden wir da gerade nen Drogendeal am Start haben), ein paar Pesos in CUC geben hat sie gutes Geld für ihre eigene Tasche gemacht und wir sind günstiger bei weggekommen als in dem teuren CUC Laden. Also geben wir ihr 5 CUC.
Die Tabletten wirken, so dass nach einigen Tagen die Schwellung zurückgeht.

Den Mietwagen hatten wir bereits am 1. Tag in Varadero abgegeben und fahren nun mit dem Viazul-Bus nach Havanna zurück. Wir hatten bereits einen Tag vorher reserviert, da diese Fahrt häufig ausgebucht ist. Die Fahrt von Varadero nach Havanna (ca. 150 Km) dauert ca. 3 Stunden und kostet 10CUC pro Person.

09.01.2012

Nachdem wir wieder nach Habana zurückgekehrt sind, bleiben meinen Eltern noch einige Tage in La Habana, in der Casa „Villa Allicia“. Die Vermieterin, Marta, spricht unsere Sprache sehr gut. Sie ist eine Professorin für Mathe und hat einige Jahre in Deutschland (ehemalige DDR, Ostberlin) studiert.

10.01.2012

Am nächsten Tag habe ich dann mit Percy vormittags eine Norwegische Architekturausstellung besucht. Anschließend brachte Percy meine Eltern und mich zur CUJAE, wo ich um 11:30 Uhr einen Termin mit Prof. Bancrofft hatte, um einen weiteren Termin zur Vorbesprechung meiner Vertiefungsarbeit zu vereinbaren. Danach zeigte ich meinen Eltern den Uni-Komplex. Wir besuchten noch Paola, die einen Job an der CUJAE hat. Danach sind wir mit dem P9-Bus (war wie immer extrem voll) nach Havanna/Vedado reingefahren und haben in einem Paladar, auf dem Balkon, für umgerechnet 1€ Reis mit Bohnen und Hähnchen oder Schweinefleisch und Getränk gegessen. Anschließend haben wir noch Pastorita, Elisa, Angelita, Carlos und und und besucht.

11.01.2012

Heute fahren wir mit der Fähre nach Casablanca.
Casablanca ist ein Stadtteil von Havanna. Es ist ein ehemaliges Fischerdorf und liegt hinter der Festung „La Cabana“. Wahrzeichen des Ortes ist die 18 Meter hohe Christusstatue aus weißem Italienischen Marmor, die seit 1958 über die Stadt wacht.
Von diesem Standort aus hat man einen herrlichen Überblick über die Stadt, die Bucht und den Hafen der Stadt.
Gegenüber der Statue schaut man direkt auf das Haus von Che.

An einem Tag fahren meine Eltern mit dem Bus nach Vinales. Sie sind die einzigen Deutschen im Bus und trotzdem wird die Reise in Deutsch und Spanisch erklärt.

Am 14.01. treffen wir (meine Eltern und ich) uns mit Elisa und Tim zum Essen beim Italiener. Anschließend gehen wir noch in ein Cafe zum Törtchenessen.

Den vorletzten Tag verbringen wir mit Percys Mum und Großmutter und schauen uns einiges in der Umgebung von Habana an. Sie zeigen uns Marina Hemingway, die Gedenkstätte von Celia Sanchez (Revolutionsgefährtin von Fiedel Castro), Parque Lenin usw. Die Finca von Hemingway war leider schon geschlossen.

Am letzten Tag sind wir noch bei Brenda zum Tee eingeladen und anschließend bringen Percy und ich meine Eltern zum Flughafen. Der Flieger geht um 21:00 Uhr mit Zwischenstopp in Paris nach Düsseldorf.
——–

Für alle die es interessiert und …
… auf den Wunsch von Damian hin hier noch einmal ein kleines Resümee, wer denn diese ganzen Charaktere wie Tim, Andreas, Elisa… sind, ohne dabei jedoch deren Privatsphäre zu verletzen (falls das nicht schon in meinem Blog geschehen ist)

Andreas (-la Maquina): Warum wird er von mir und Tim so genannt? Er hat’s einfach drauf. Studiert an der Cujae und hat bisher jeden Scheiß mit mir mitgemacht. Andreas ist der einzige Deutsche Kerl, der mich von Anfang an bis fast zum Ende meines Auslandsaufenthaltes begleitet. Danach geht es für ihn zurück nach Butzbach (nähe Frankfurt). Charakteristisch ist sein auffälliges und eindringliches Lachen, dass er so gut wie immer auflegt. Wappnet euch Kubanerinnen, es kommt Andreas la Maquina!

Tim: Studiert ebenfalls mit mir an der Cujae (Industrial) und kommt aus Belgien. Versteht daher ganz gut Deutsch, spricht mit uns aber Englisch oder Spanisch. Intelligenter Kerl mit dem ich hier schon viel zusammen erlebt habe und mir besonders durch sein klares, rationales Denken imponiert ;-) Zuerst mit Andreas und George im Hotelito an der Cujae gewohnt, später mit Paola und Andreas in Vedado. Bald ein großer Verlust für die kubanische Frauenwelt.

Elisa: Sie ist die Frau vor Ort! Geht schon auf die dreißig zu, wovon man jedoch rein äußerlich gar nichts mitbekommt. Ihre Heimatstadt ist Dresden. Hat hier auf Kuba ihre Bachelorarbeit beendet und unterricht noch eine Weile Deutsch in der Flex für kubanische Studenten. Das ganze wird ihr durch den DAAD ermöglicht. Fröhliches und munteres Kind, allzu oft Opfer kubanischer Aufdringlichkeit in der Männerwelt. Bleib stark, Elisa ;-)

Percy: Kubanischer Freund und Kommilitone der Architekturfakultät. Bei ihm wohne ich nun schon eine ganze Weile. Kennen gelernt über Internetkontakte war er das beste, was mir passieren konnte. Dank ihm und seiner Mama, seinem Bruder und seiner Oma verbringe ich hier eine verdammt gute Zeit. Teils ein bisschen unkubanisch, weil in ihnen ganz tief drin immer noch Guatemala verwurzelt ist, aber das macht ja nichts.

Paola: Mitstreiterin aus Cadiz, Spanien. Sie teilt sich ein Apartment mir Tim und Andreas und das in friedvoller Harmonie ;-) Sie arbeitet an der Cujae und bringt immer frischen Wind in die Sache und bringt sogar Kubanern Stimmung. Außerdem wurden wir durch sie in die spanische Kommune vor Ort integriert.^^

George: Student türkischer Abstammung, welcher uns die ersten Wochen hier in Habana begleitet hat. Er hat hier einen Spanischkurs absolviert und nebenbei noch die kubanische Kultur kennen und lieben gelernt. Mit viel Temperament hat er viel Schwung in die Sache gebracht.

Damian: Langjähriger Freund aus meiner Heimatstadt, welcher mich hier für 2 Wochen besucht hat. Dabei haben wir einiges, auch außerhalb Habana, gesehen. Integriert in meinen Freundeskreis hat er schnell einige Eigenarten dieser verrückten Welt kennen gelernt.

Thomas: Freund von Tim aus Belgien, welcher zufällig im gleichen Zeitraum wie Damian hier war.

Adela: Gute Freundin und Kommilitonin meiner Fakultät, durch welche ich das eigentliche kubanische Leben kennen gelernt habe. Sie hat wesentlich zu meiner Kubanisierung beigetragen und auch meinen Eltern einen unvergesslichen Kuba Urlaub ermöglicht. Zudem stehen/standen wir immer im fachlichen Austausch und viele Diskussionen über kubanische Architektur haben mir einen tiefen Einblick gegeben.

Jan: Eigentlich aus Deutschland, lebt aber in Venezuela und arbeitet dort als Deutschlehrer. Hat hier bei Fernando Spanisch gelernt. Über ihn habe ich überhaupt Fernando kennen gelernt. Jan wurde eines Tages hier auf der Straße von Elisa aufgegabelt und er kann euch sagen, was wirklich in Venezuela abgeht.

Felix: Kurzer Besuch aus Deutschland, der eines Tages an Elisas und meiner Tür angeklopft hat um nach einer Unterkunft zu fragen. Nun setzt er seine Tour in Südamerika fort und das wohlgemerkt ohne große Spanischkenntnisse und auf eigene Faust.

Ui. Wenn ich wirklich alle weiteren Personen aufzähle wird das eine seeehr lange Liste. Aber das sind so die immer wiederkehrenden Namen in meinem Blog.

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Na und was habe ich so in den letzten Tagen getrieben?

Vieles, und das obwohl Tim und Andreas gerade außer Lande sind, um Mexiko kennen zu lernen. Das Studium fordert mich jetzt noch mal so richtig und viele lange Nächte infolge machen Percy und mich ziemlich fertig. In Kürze findet auch noch ein Kulturfest an der Cujae statt, welches den Namen „Paris – Habana“ trägt und wofür wir eine Ausstellung vorbereiten.
Aber um nur kurz einige Events aufzuzählen: Am Fr. fand der all jährige Marsch der Studenten statt, in Gedenken an Jose Martis Geburtstag. Das sieht dann so aus, dass sich tausende von Studenten an der Universidad de la Habana treffen und dann mit selbstgebauten Fackeln bis zum Malecon herunter ziehen. Das ist ein sehr fröhliches Spektakel, welches in mir aber etwas Beunruhigung ausgelöst hat. Denn während in Deutschland die Studenten auf die Straßen gehen um gegen zu hohe Studiengebühren zu demonstrieren, geht man hier auf die Straße um das Land zu ehren und Teil dieses sehr umstrittenen Systems wird. Meinungsfreiheit adé!

Am Fr. vorheriger Woche hatte der Bruder von Percy einen Auftritt im Capri / Salon Rojo. Er ist Reggaeton Sänger und Adela und ich wurden ganz exklusiv eingeladen, in dem wohl teuersten Club ganz Kubas. Danach habe ich den Abend noch mit Adela im Hotel Nacional ausklingen lassen.

Des Weiteren habe ich in den letzten Tagen endlich mal den Cementerio Colon kennen gelernt. Der größte Friedhof ganz Latein Amerikas. Eine enorme und grandiose Landschaft an Marmorgräbern und Mausoleen so weit der Horizont reicht und das mitten in La Habana. Wir hatten dort Percys Opa besucht, der gleich neben der Blume von Kuba, Celía Sanchez seinen Platz gefunden hat.

Und in der Straße Infanta ist ein Haus eingebrochen. Einige Einwohner wurden getötet, viele Verletzte. Ich hatte die Ehre, die letzten Tage einiges mit einer deutschen Medizinstudentin unternehmen zu dürfen, die diese Menschen zu dem Zeitpunkt auch versorgt und genäht hat.

Verfasst von: hoshoway | 20. Januar 2012

Elternbesuch

22.12.11
Genau vier Monate sind jetzt um. Zeit für ein bisschen Erholung und Sightseeing. Meine Eltern werden heute landen. Von Düsseldorf geht es für sie heute erst nach Paris und dann mit der Air France direkt nach Habana. Um 18:00 Uhr erwarte ich sie dann am Flughafen.
Da ich morgen eine exklusive Geburtstagsfeier über den Dächern Habanas feiere (Haha, alles halb so wild, dennoch ist meine Dachterrasse ein super Ort zum feiern) ist vorher noch einiges zu regeln. Ein bisschen Rum hier, ein paar Chips dort und natürlich darf die technische Musikausrüstung nicht fehlen. Elisa ist gerade in D-Land, hatte mir aber versprochen ihre Bose Anlage samt Beamer zu hinterlassen. Also nehme ich mir eine Maquina (Taxi) um zu meiner alten Behausung zu fahren. Ein bisschen ist das immer wie „Heim kommen“. Pastorita empfängt mich herzlich und Elisas Besuch, Stephan, ist ja auch noch dort. Sein Flug geht heute und ich wünsche ihm noch eine gute Heimreise. Haben viel Spaß gehabt, gerade in Soroa. Also kurz noch Plauschchen halten und dann geht es samt Boxen und Beamer zurück. Percy und seine Mutter erwarten heute am Flughafen auch noch Freunde aus Guatemala, sodass wir eigentl. 2 Autos benötigen. Eigentl. besitzt meine Family hier auch zwei Autos, nur müssen sie mir leider mitteilen, dass eines davon defekt ist. Also sieht der Plan so aus, dass wir zweimal fahren müssen. Nach einiger Verspätung (kp wie es diese Familie immer wieder hinbekommt) fahren wir dann auch endlich zu dritt Richtung Flughafen. Bei der Einfahrt zum Flughafenterminal nehme ich auf einmal ein dumpfes „dumm, dumm, dumm“ wahr. Ich mache die Familie darauf aufmerksam, dass etwas mit dem Reifen nicht stimmt. Das Auto rollt noch bis kurz vor die Terminal Tür. Reifen geplatzt. Glück im Unglück würde ich sagen. Ich verlasse mit Brenda den Wagen weil wir uns um den Besuch kümmern müssen.
Für mich ist es die magische Tür. Ich wünsche mir Damian, und es kommt Damian heraus. Ich wünsche mir meine Ellis und sie kommen heraus. Demnächst wird diese Tür auch noch Max ausspucken. Eine große Menschenagglomeration hält sich jeden Abend vor dieser Tür auf, da Kubaner gespannt auf ihre Verwandten aus dem Ausland warten.
Meine Mutter winkt mir schon von weitem zu. Sie zieht einen Koffer hinter sich her, der vom Volumen klar ihre schmale Figur übertrumpft. Paps kommt nur wenig später. Ich stelle meine Eltern Percy und Brenda vor. Mutter packt schon mal ihr Wissen über ihre Sprachkenntisse aus und begrüßt die beiden auf Spanisch. Die guatemaltekischen Freunde von Brenda sind leider noch nicht angekommen. Aber wir sollen nicht warten und uns schon mal ein Taxi nehmen. Vom Flughafen ist das immer schweineteuer, aber ich handele einen guten Preis aus. Es soll die wildeste Taxifahrt meines ganzen Kubaaufenthaltes werden… verrückter Hund. Percy und seine Ma kommen erst nach 00 Uhr nach Hause, da der Flieger der Guatemalteken eine heftige Verspätung hatte.

23.12.

Bin ja nun schon ziemlich kubanisiert, meine Eltern sind es aber noch nicht und so müssen die beiden noch einiges lernen. Und so zeige ich ihnen zunächst einmal, wie man sich ein 10 Peso (< 0,40€) Taxi nimmt. Meine Eltern zeigen sich begeistert. Wann hat man im Leben schon mal die Chance, in einem Oldtimer zu fahren. Hier auf Kuba jedenfalls jeden Tag. An der Rampa angekommen, besuchen wir zunächst Heidi, welche einiges für uns organisiert hat. So kann gerade die Suche nach Casa Particulares mit dem Mietwagen in der Hochsaison stressig sein. Also organisiert man das, oder lässt man das lieber vorher organisieren.
Danach zeige ich ihnen das Hotel Nacional. Um 14:oo Uhr haben wir in Habana Vieja ein Treffen mit Percy, weil er eine Stadtführung geben will. Er ist dafür der Richtige und mit seinen gerade mal 21 Jahren ein wandelndes Lexikon, was die Historie Habanas betrifft. Meine Eltern bevorzugen es jedoch ZU Fuß von Vedado nach Habana Vieja zu laufen, weshalb wir eine halbe Stunde zu spät ankommen. Macht aber nix, weil Percy sich auch verspätet hat.
Nach einer interessanten Stadtführung essen wir noch einen Snack und kehren um 5 gemeinsam zurück. Ich habe noch einige Vorbereitungen für die Geburtstagsparty am Abend zu treffen. Währenddessen bekomme ich einen Anruf von Tim. Er sagt, dass sein Treffen mit seinen Mitstudenten am Abend ausfällt, weshalb er doch zu meiner Feier erscheinen kann. Freu mich riesig. Nur gut, dass ich den Leuten 19 Uhr gesagt habe. Die kubanische Pünktlichkeit erlaubt es ihnen dann 2 Stunden später einzutreffen.
Claudia, Maria, Yarenny, Adela, Tim und viele weitere und sogar Andreas, welcher eigentl. auch keine Zeit hatte, erscheinen zu meinem Feste.
Die Stimmung ist ausgelassen u. es wird sogar Salsa getanzt. Brenda hat sich auch wirklich viel Mühe mit der Deko gegeben. Danach ziehen wir noch mit einer kleinen Gruppe ins Atrill, der Disko im Carlos Marx… y ya! (@ Andreas: nochmals High Five ;-)

24.12.

Das Aufstehen fällt mir heut besonders schwer, und das an dem wohl besten Tag im Jahr.
Mit dem Collectivo (Peso-Taxi) fahren wir morgens erst einmal zu Heidi um den weiteren Verlauf unserer Reise durchzusprechen. Heidi spricht übrigens gut Deutsch. Danach zeige ich meinen Ellis, wer hätte es gedacht, das FOCSA, um oben im letzten Stock die Aussicht über Habana zu genießen. Nach einem mehr oder weniger guten Mojito geht es dann zur Calle Obispo, der Haupteinkaufsstraße in Habana.
Am Abend wollen wir dann ganz traditionell in die Kirche. Es ist die flächenmäßig größte Kirche Kubas, jedoch ziemlich schlecht besucht für so einen Tag. Da meine kubanische Familie nur ein Auto zur Verfügung hat, muss Percy zweimal fahren. Die Kirche ist wirklich schön dekoriert, mit riesiger Krippe und Lichterketten. Es ist einiges anders als bei uns in D-Land. So sind viele Leute gar nicht so feierlich gekleidet. Liederbücher oder Notenblätter gibt es nicht, dafür aber mehr als genug Weihrauch. Kinder laufen wild durch die Gänge, ein Hund wird von seinem Besitzer verfolgt und ein Schäfchen Gottes schiebt sein Motorrad in die Kirche, wahrscheinlich, weil er kein Schloss hat um es abzuschließen. Nach der Messe werden die Frauen von Percy als erstes heimgebracht. Sie bereiten schon mal das Weihnachtsessen vor. Es gibt Tamal, eingewickelt in Bananenblätter, Congri und Schwein. Danach schenke ich Percy ein D-Land Trikot. Die sind hier auf Kuba sehr beliebt und ein gern gesehenes Mitbringsel der Ausländer. Er freut sich riesig. Bis 1:00 Uhr sitzen wir noch zusammen, müssen am nächsten Tag schon wieder früh raus aus den Federn…

25.12.

… da wir bei meiner Kommilitonin Adela eingeladen sind. Die Familie lädt zum Wichteln ein, hier „der geheime Freund“ genannt. Schon meine Vorfreude ist riesig, auch weil ich einen Culture-Clash befürchte, zwischen meinen Eltern und derer Adelas. Percy spielt wieder den Chauffeur, da die Busverbindungen zu diesem Teil Marianaos recht schlecht ist. Wir werden freundlich von der Familie begrüßt. Es gibt einen von Adela eigens gemixten Empfangscocktail der ganz fantastisch fruchtig schmeckt. Ihr Vater arbeitet in der Gastronomie u. ich würde mich nicht wundern, wenn er ihr ein bisschen unter die Arme gegriffen hat. Die Behausung der Familie ist wirklich einfach und rudimentär, dennoch charmant. Meine Familie und ich werden sofort integriert. Schnell wird uns das gesamte Haus gezeigt, ja sogar auf’s Dach werden wir geführt, von dem ich später verzweifelt versuche, meinen Opa und meine Oma telefonisch zu erreichen, um ihnen Frohe Weihnachten zu wünschen. Es gibt als Vorspeise Camarones, also Garnelen und danach eine reichhaltige Auswahl an Speisen und Getränke.
Das Wichteln soll dann das Tageshighlight werden. Verwundert nehme ich auch mein Geschenk entgegen. Adela hat die Ehre mich zu bewichteln und als ich mein Geschenk auspacke bin ich ein wenig verwirrt, über dieses Kleid! Haha, sehr lustig. Lautes Gelächter aus allen Ecken. Adela tröstet mich und gibt mir das wahre Geschenk. Typische, kubanische Musikinstrumente aus Holz stecken in dem Päckchen. Na, schon besser.
Danach wird heftig getanzt und auch meine Eltern schwingen das Tanzbein. Sehr amüsant. Währenddessen habe ich auch mit der ziemlich aufdringlichen Schwester von Adelas Mama zu kämpfen, aber ich nehm’s mit Humor. Wann wird man schon mal von älteren Frauen begehrt, was?
Percy erscheint gegen 16:00 Uhr um uns wieder abzuholen. Zeit für eine späte Siesta. Percy u. ich pflanzen uns auf die bequemen Sonnenstühle auf dem Dach und nicken sofort ein. Als wir aufwachen ist die Sonne schon untergegangen. Wir machen uns fertig für einen weiteren Ausflug mit meinen Eltern. Diesmal geht es zum Kanonenschlag, der täglich um punkt 9 Uhr an der Burg am Hafen zelebriert wird. Dadurch wurde früher angeblich das Schließen der Tore Burgtore signalisiert. Für dieses Ereignis fahren wir schon 2 Stunden früher los.
An der Kasse bezahlen Percy u. ich natürlich in MN (einheimische Peso-Währung), meine Eltern als Touris müssen leider in CUC (1CUC = 1 US-$) zahlen. Die Atmosphäre ist wirklich toll und die Zeremonie sehr eindrucksvoll, wenn auch ziemlich kurz. Man sollte wirklich schon zeitig dort sein, um sich in den ersten beiden Reihen positionieren zu können, da man sonst nichts sieht.

26.12.

Die Ereignisse des Tages sind kurz erklärt. Mit dem Doppeldeckerbus erkunden wir (also mehr meine Eltern als ich) Habana und weil das ziemlich schnell getan ist, hängen wir noch einen Bustrip vom Parque Central zum Playa del Este (Habanas Hausstrand) hinten dran. Ein sehr schöner weißer Strand mit Palmen. Nur schade, dass wir keine Badeklamotten dabei haben, denn das blaue Meer lädt zum Schwimmen ein.

27.12.
Heute beginnt unser Cuba-Trip. Cienfuegos, Trinidad, Cayo Coco, Santa Clara und Varadero wollen wir anfahren. Zunächst jedoch wartet der Leihwagen auf seine Fahrer. Wir haben Glück, denn wir bekommen einen Neuwagen mit gerade mal 1000 km auf dem Tacho. Der Geely (Chinesisches Fabrikat) erweist sich später als sehr zuverlässig, auch wenn das Design dem alten Mercedes geklaut wurde, chinesisch eben.
Da ich bei der Autoübergabe leider meinen Führerschein vergessen habe, den wir aber brauchen, um einen Zweitfahrer anzumelden, verspätet sich unsere Abfahrt. Ich führe uns dann sicher aus Habana auf die Autobahn A1. Schon die Fahrt auf der kubanischen Autobahn ist ein Abenteuer. Zum einen gibt es da diese riesigen Schlaglöcher, denen man ständig ausweichen muss um einen Achsenbruch zu verhindern. Dann ist die Beschilderung, speziell auf Städte bezogen, eine Katastrophe. Bei Dunkelheit sollte man daher NIE Auto fahren, auch weil es keine Straßenbeleuchtung gibt.
Auf dem Weg zum Playa Girón begegnen wir auch in den abgelegensten Landschaften Kubanern, die mitreisen wollen und dazu ihren Arm ausstrecken. Aber da wir ja die typischen Touristen sind und wir in Deutschland ja von Grund auf so eingestellt sind, keine fremden mitzunehmen, müssen die Kubaner leider auf die nächsten Autofahrer warten.
Fahrradfahrer auf der Autobahn sind keine Seltenheit und auf Landstraßen auch sehr oft anzutreffen, Pferde mit alten, hintergespannten Karren. In Cienfuegos finden wir sehr schnell die Casa, in der wir zwei Nächte verbringen werden. Die Vermieterin ist wirklich nett und ich mime den Dolmetscher für meine Eltern. Im Dunkeln schauen wir uns noch schnell ein bisschen Cienfuegos an und essen typisch-kubanische Pizza von der Cafeteria, wie es sie fast in jeder Straße gibt.

28.12.

Unser erster Tag in Cienfuegos beginnt auf der liebevoll eingerichteten Dachterrasse mit einem großen Frühstück. Dort treffen wir auch auf einen weiteren Touristen, der im gleichen Haus wohnt. Er kommt aus Hong Kong und bereist ebenfalls das Land. Mit meinen Eltern erkunde ich den Stadtkern und später auch die Landzunge, welche eine Handvoll Kolonialbauten präsentiert und an das Bild einer Promiinsel in Miami erinnert. Ganz am Ende dieser Halbinsel gibt es einen kleinen Park mit Bänken, Schatten und Musik. Kubaner treffen sich dort um sich auszutauschen. Wir haben heute Glück, denn am Eingang des Parks verkauft ein Kubaner Refrescos, welche er aus einem riesigen Fass zapft. Alles sieht sehr nach Eigenbau aus. Die Kubaner füllen sich dort Literweise Flaschen ab. Ich erkläre meinen Eltern, dass das ein ziemlich gutes Erfrischungsgetränk sein muss, wenn es sich die ganzen Leute kaufen. Es sprudelt auch so lustig. Glücklicherweise haben wir eine leere PET Flasche dabei, die ich dann abfüllen lasse. Gerademal 10 Pesos, also nichteinmal 50 Eurocent kosten mich die 1,5 Liter. Auf eine Bank im Park kosten wir dann von diesem goldenen Getränk und siehe da: Es ist ja BIER! Dieser verrückte Typ am Eingang muss seine eigene Bierbrauerei in seiner Wohnung haben. Der ganze Park scheint sich mit diesem Bier zu besaufen. Ein köstlicher Anblick. Nachdem wir in einem staatlichen Restaurant zu Mittag gegessen haben (NIE in staatlichen Restaurants essen! ) nimmt uns der nächste Bus mit zurück.
Am Abend gibt uns unsere Vermieterin den Tipp, doch ins Stadttheater zu gehen, weil es dort heute ein Konzert einer fantastischen Band gibt.
Nach einigen Überredungsversuchen willigen meine Eltern ein. Am Theater finden wir heraus, dass es zum einen ziemlich teuer ist, zum anderen die Show schon ausverkauft ist. Eine Kubanerin gibt mir aber den Tipp noch ein bisschen zu warten, weil am Ende des Einlasses noch mal durchgezählt wird und dann evtl. noch Plätze frei sind.
Gut das mir diese Frau diesen Tipp gibt, denn nach einiger Zeit warten steht plötzlich mein belgischer Mitkämpfer TIM vor mir und ruft erstaunt: „Alex?“.
Kurz perplex, dann gefasst begrüße ich ihn. Er erzählt mir und meinen Eltern, dass er gestern den Entschluss gefasst hat, sich um 7 Uhr früh den Zug von Habana zu schnappen und 10 Stunden lang bei widrigsten Bedingungen nach Cienfuegos zu tuckern. Im Schlepptau hat er einen Japaner aus Tokio, den er am Bahnhof kennen gelernt hat.
Kurz zu diesem Menschen: Er ist 43 Jahre alt, spricht Null Spanisch und reist ganz alleine durch das Land. Aber was ich vieeeel cooler finde: Er ist Programmierer und hat Yoshi programmiert. Ich bitte also erstmal um ein Foto mit dem Vater von der Nintendo-Figur Yoshi. Später erfahre ich, dass er auch in einem der 6 Erfinderteams von Pokemon war.
Die beiden haben jedenfalls schon Karten für das Konzert und irgendwie schafft es Tim mich einzuschleusen. Mein Vater u. meine Mutter wollen nicht mit, und so schaue ich mir das Konzert mit den beiden Jungens an. Nach dem Konzert laufen wir noch ein bisschen durch Cienfuegos und wollen bei Coppelia ein Eis essen. Die Schlange ist uns jedoch zu lang und so entscheiden wir uns, uns zu trennen. Doch wo wohnen die beiden? Sie wissen es nicht mehr genau und so packt Yoshis Papa erstmal sein Ipad aus um mit Hilfe von Herrn Google bereitgestellte Maps den Heimweg zu finden. Da soll noch einer sagen, GPS würde hier auf Kuba nicht funktionieren und Kartenmaterial gäbe es ja schon gar nicht. Allet quatsch, denn 3 Satelliten zeigen immer auf dich ;-)

29.12.

Das war’s für uns in Cienfuegos. Heute geht es weiter in Richtung Trinidad. Aber zuerst müssen wir tanken fahren. Oftmals gibt es einen Service, womit man vermeiden möchte, dass der Fahrer einfach ohne zu bezahlen abfährt. Dem Mann sagen wir also: „Einmal voll tanken“. Ich gehe rein und möchte bezahlen. 56 CUC (40 Ltr.) soll der Spass kosten. Ich bezahle erst einmal, kommt mir jedoch schon etwas seltsam vor, wie man für einen halben Tank soviel Geld bezahlen soll, gerade weil der Geely Tank gar nicht so viel Liter fassen kann. Als mein Vater auf die Tankanzeige des Autos schaut, sieht es so aus, als hätte der Typ nur 10 Liter getankt. Also wieder zurück, um die Kubaner anzuscheißen.
Der Typ, der unseren Wagen betankt hat ist aber erstmal schön mit der Kohle aufs Klo gegangen und gerade nicht auffindbar. Wir warten und als er zurück kommt erkläre ich ihm, dass es unmöglich sei für 10 oder 15 Liter 50 = 56 CUC zu latzen. Oh ja, Entschuldigung. Entschuldigen sie vielmals, hab den Preis von der falschen Tanksäule abgelesen. Aaaaarg. Aber wenn das nur das einzige Mal gewesen wär. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Kubaner in 80 Prozent aller Fälle versuchen Touristen über’s Ohr zu hauen. Und wenn danach dann immer so eine beschissene Ausrede erfolgt, könnte ich am liebsten explodieren und einfach nur zuschlagen. Es ist schon verarsche genug, dass die Touristen 1,40 CUC pro Liter bezahlen während Kubaner „nur“ 1,00 oder 1,20 bezahlen müssen. Wie auch immer.
Es geht durch pure Wildnis Richtung El Nicho, einem Naturpark mit Wasserfällen und Naturbecken. Die Straßen sind teilweise so chaotisch schlecht, dass man nur mit 20 km/h vorankommt. Die Straße nach El Nicho ist jedenfalls sehr schön und führt durch Täler und in knallgrüne Berge. Vorbei an einem kleinen Dorf in den Bergen kommen wir dann endlich bei El Nicho an. Es fängt an zu regnen, aber wir lassen uns den Spaß nicht nehmen, den Weg hoch zu den Wasserfällen zu wandern. Wie auch einige andere Leute gehen mein Vater und ich erstmal in dem super kalten Wasser baden. Es ist sehr beeindruckend, vor diesem gewaltigen Wasserfall baden zu gehen.
Es geht weiter nach Trinidad, wo wir leider erstmal die Hausbesitzer nicht auffinden können. Eine Nachbarin hilft uns und schreit laut deren Namen durch die Straße. Dann, nach etwa 10 min wird uns aufgemacht. Die Frau scheint nett, kann ein bisschen Englisch und ist Biologielehrerin. Der Mann ist auch hilfsbereit und sagt mir, dass wir unsere Familienkutsche in einer Garage ganz in der Nähe parken können. Wir steigen beide in das Auto und er gibt mir die Richtung an. Natürlich darf ein bisschen Show nicht fehlen und so dreht er erstmal das Fenster runter und schreit seinen Kollegen irgendwas an den Kopf. Einer seiner Kollegen beugt sich durch Fenster und erklärt mir: „Cuidado con mi amigo! Es un maricon“ – „Nimm dich in Acht vor meinem Kollegen, er ist ein Homo“. Ich lache. Nach einer übertrieben großen Runde durch seinen Block kommen wir an der so genannten „Garage“ an. Ein Kubaner zeigt mir ein Schild auf dem steht: 3CUC Pro N8. Also dieser Mann hütet also 2 Tage unseren, am Straßenrand abgestellten Wagen, und das ganze kostet uns 6 CUC. Schon wieder irgendwie abzocke, aber ich bin zu müde um zu diskutieren also nicke ich zustimmend. Ich steige mit meinem Hausvermieter aus dem Auto. Danach wird uns von unseren Vermietern Cafe angeboten. Sehr aufmerksam, sehr gastfreundlich. Am Abend essen wir in einem vom Vermieter vorgeschlagenen Paladar (privates Restaurat). Die Preise sind für kubanische Verhältnisse Wucher und so handele ich die Hälfte des Preises aus (ca. 4 CUC p. Essen, inkl. Getränk).

30.12.

Heute sehen wir Trinidad erstmal bei Tageslicht. Es ist bisher die schönste kubanische Stadt, die ich gesehen habe. Auf einem Hügel gelegen, gesäumt von Kolonialbauten und netten Menschen auf den Straßen. Einziger Haken: Zig Touristenbusse lassen die Straßen nur so von Touristen überfüllen. Ich würde Trinidad also in der Nebensaison empfehlen, um das „ursprüngliche“ Trinidad kennen zu lernen und nicht das „Auf-Touristen-Geile-Trinidad“ kennen zu lernen.
Zufälligerweise treffe ich auf der Straße auf einen Kollegen aus Habana. Jan ist auch mit seinen Eltern unterwegs, jedoch mit Transtour und nicht mit Mietwagen. Er sagt, ihm habe Cienfuegos besser gefallen. Jedem das seine. Nach ein bisschen Sightseeing schnappen wir uns das Auto und besuchen den schönen Strand Playa Ancón, welcher ganz in der Nähe ist.
Am Abend wird oben an der Kirche auf der Treppe (welche mich sehr an die „Spanische Treppe“ in Rom erinnert) ordentlich Stimmung gemacht. Hier spielt eine Band Kubanische Musik und dazu wird ordentlich getanzt. Zwei private Bars liefern sich einen unerbittlichn Konkurrenzkampf wenn es um das verkaufen von Cuba Libre, Mojito und anderen kubanischen Cocktails geht. Trinidad offeriert sogar einen Hauseigenen Cocktail, welcher mit Honig zubereitet wird.

31.12.

Ich fasse meine Berichte nun kürzer, da chillen am Strand zwar wirklich Spaß macht, aber wohl kaum erlebnisreich ist.
So kommt es, dass wir heute von Trinidad über Morón, über einen 27 km langen Damm, nach Cayo Coco fahren. Einer Insel im Norden Zentral-Cubas vorgelagert und berühmt durch seine weißen Strände und den Flamingos. Die Insel ist trotz des starken Tourismus und der vielen Hotels noch nicht nachhaltig geschädigt, mit anderen Worten: Die Natur ist dort noch voll intakt. So steht es im Reiseführer, doch leider kann ich das nicht so hinnehmen. Denn durch den Damm, der logistisch Cuba mit der vorgelagerten Insel verbinden soll, kann kein natürlicher Wasseraustausch zwischen den beiden Seiten mehr stattfinden. Man hat einfach nicht genügend Rohre durch den Damm verlegt.
Die Hinfahrt ist jedenfalls ein schönes Naturspektakel mit vielen Mangrovenwäldern und glasklarem, bläulich schimmernden Wasser. Cayo Coco ist für Cubaner nicht zugänglich oder nur mit einer speziellen Erlaubnis. Das Hotel in dem wir wohnen heißt Sol Cayo Coco und ist wirklich schön angelegt, inmitten eines Palmengartens. Der Strand ist tatsächlich strahlend weiß und in dem Hotel gibt es Speisen, die ich bisher auf Kuba noch nicht bekommen habe, da zu teuer oder nicht verfügbar. Heute gibt es auch Langusten, da Silvester ist. Mutti hat’s leider ein bisschen erwischt und kann nicht mit mir und Paps ins neue Jahr feiern. 6 Stunden vorher haben wir jedoch mit Mama auf das neue Jahr in Deutschland angestoßen. Da wir hier auch die Deutsche Welle im Fernsehen empfangen haben, konnten wir ein bisschen Brandenburgertor- Silvesterfeeling miterleben.
Ich spreche noch ein Mädchen an, welche mir gestern in Trinidad schon in dem Paladar aufgefallen ist und frage sie, ob sie eine Rundreise macht. Anschließend gehe ich noch ein bisschen in die Hoteldisco und lasse den Abend dort ausklingen.

Verfasst von: hoshoway | 21. Dezember 2011

Wanderung

14.12.11

Ay, diese beiden letzten Tage verdienen einen Blogeintrag. Wie ich vll. schon erwähnt hatte, stehen unsere Abschlussprüfungen bevor. Und wie es bei Architekturstudenten so der Brauch ist, gibt es hin und wieder mal Nächte, in denen durchgearbeitet wird. So eine Nacht war diese Nacht.
13.12.11: Um 7 Uhr stehe ich auf um früh mit meiner Arbeit zu beginnen. Schaffe tatsächlich einiges in den nächsten zwei Stunden. Um 9 Uhr kommt dann auch schon Adela. Sie hat ihren Laptop und einige Dinge mitgebracht, um sich hier „häuslich“ nieder zu lassen. So ist das erste z.B. ihr Gang zum Bad um dort mit ihrer eigens mitgebrachten Zahnbürste ihre Zähne zu putzen. „Keine Zeit zuhause gehabt. Müssen arbeiten“. Öhm, ok. Aber sie hat Recht. Wir haben viel Zeitdruck und müssen ja heute auch noch die ganzen Pläne ausdrucken. Pläne in Din A1 oder Din A2 plotten? Gibt es hier so was? Die Frage wird erst einmal zurück gestellt. Die Zeit verstreicht schnell und so kommt erst um 16 Uhr Yarenny an, um uns zu helfen. Es ist auch ihr Projekt, jedoch haben bisher Adela und ich die meiste Arbeit hineingesteckt. In Deutschland wäre ich schon längst zum Professor gegangen und hätte das Kameradenschwein gespielt, aber hier wurde mir dringlichst davon abgeraten. Sozialismus eben.
Also sie hat jedenfall NICHTS vorbereitet. Ist derzeit im 4. Jahr und hat ne Menge um die Ohren und muss also zudem noch den Kurs aus unserem Jahr wiederholen. Aber gut.
Wir arbeiten hart und schaffen einiges. Es wird langsam dunkel und Percys Mum schmückt derweil das Haus ganz weihnachtlich. Gut das ich bei Leuten guatemaltekischer Abstammung wohne, die wenigstens ein bisschen den Weihnachtsbrauchtum pflegen.
Nebenbei versorgt sie uns mit dem nötigsten wie Kuchen und Cola. Ich schlage vor, dass wir uns am Abend eine Pizza auf der Straße holen, damit Brenda nicht unnötig Arbeit mit uns hat. Auf dem Weg dorthin diskutieren wir über unser Projekt und das es sehr wahrscheinlich ist, dass wir es vor allen Leuten präsentieren müssen. Nach dem Pizza essen kommen wir gut für die Nacht gestärkt zurück. Percy schaut kurz vorbei, bietet uns seine Hilfe an aber ich sage ihm, dass wir das schon irgendwie packen.
Er nimmt vorsichtshalber mal das Walkie Talkie mit, falls ich doch seine Hilfe brauchen sollte.
Also arbeiten wir weiter. Die Zeit vergeht wie im Flug und es wird auch langsam ziemlich kalt. Alle sind schon ein wenig genervt, dennoch gefasst und geduldig.
Die Sonne geht auf und Brenda gießt am Fenster die Blümchen. Sie ist natürlich erstaunt, dass wir noch arbeiten und versorgt uns erstmal mit Frühstück. Sie bietet mir auch an mich zur Uni zu fahren, aber das wird nicht nötig sein weil der Choffe von Adela kommt. Also eigentlich ist es der Chauffeur vom Dekan, aber die beiden sind gute Freunde sodass er sie auch immer fährt. Privatfahrten mit Firmenwagen wären in D-Land nie erlaubt, hier schon.
Ok. 11:30 Uhr. Die Zeit wird bedenklich knapp. Um 12 Uhr ist Abgabe. Der Choffe rast wie ein bekloppter durch Habana. Neben ihm sitzt Adela und sie diskutieren laut, Kubaner eben. Danach fragt er mich was und redet wirres Zeug über Strand, Rum und Frauen. Im mom kein Interesse, danke. Ich sitze mit Yarenny auf der Rückbank, mein Lappi auf dem Schoss, arbeitend. Mein Bewusstsein arbeitet gar nicht mehr, ich klicke nur noch automatisiert und unbewusst, hämmere auf die Tasten ein wie wild um den letzten Schliff in unsere Ausarbeitung zu bekommen. Yarenny will mir ihren USB Stick reichen, jedoch greife ich nicht rechtzeitig sodass er wegen einer scharfen Kurve in die Seitenkarosserie geschleudert wird. Ist ja nix verkleidet, in diesen Karren. Ich schreie dem Choffe: „Stop!“. Er hält am Seitenstreifen an und sucht in den Hohlräumen der Karosserie. Gott sei Dank findet er ihn dann, sodass ich weiterarbeiten kann. Kurz vor 12. Wir erreichen die Cujae und Yarenny geht los um die Dateien unserer Professorin zu geben. Bleibt nur noch ein Problem: Die ausgedruckten Pläne. Also eigentlich haben wir schon verloren, weil’s ja 12 Uhr ist. Dennoch fahren wir gemeinsam nach Habana rein um eine Art „Plotservice“ zu finden. Wir hatten schon letzte Nacht überall angerufen, jedoch gibt es hier keinen Druckservice die DIN A2 Blätter drucken.
1. Station. Miramar, nähe Casa de la Musica. Die Institution lässt uns nicht rein. Grund hierfür ist, um das mal salopp auszudrücken, Connection-Probleme. Adela hat keine Kontaktmänner in dieser Institution, also auch niemanden, der uns einfach so weiterhelfen kann. Also zur nächsten Station. Eine Art Immobilienfirma. Adela hat dort eine Bekannte sitzen. Sie ist auch Architektin. Aber die Funktion des Gebäudes in dem sie sitzt ist mir nicht ganz bewusst. Es riecht nach Desinfektionsmittel wie im Krankenhaus und vor manchen Türen sind Gitter. Gefängnis? Krankenhaus? Immobilienbüro? Auf jeden Fall wurde die Funktion dieses Gebäudes schon einige Male geändert, soviel steht fest. Aber das ist hier in Habana üblich.
Der Stress geht weiter, denn sie weiß von nichts, nur von einer evtl. Adresse wo wir unsere Pläne ausdrucken könnten. Über eine ungesicherte Baustelle erkämpfen wir uns den Weg zum Auto zurück. Ohne das wir wohlgemerkt ziemlich aufgeschmissen wären.
Da der Tunnel noch vom gestrigen Unfall geschlossen ist (hatte gesehen, wie ein überschlagenes Auto auf dem Mittelstreifen lag), müssen wir einen Umweg fahren.
Es geht nach Centro Habana. Aber bei der von der Architektin genannten Adresse ist auch nichts zu machen. Sie plotten nicht im Format Din A2. Beim nächsten Checkpoint ist mir das ganze zu doof und ich bleibe im Auto sitzen. Adela erzählt mir später, dass sie nur noch gefragt hat: „Sag schnell, was fehlt euch hier zum drucken“. Man kann in diesem Land hellsehen. Es fehlte letzen Endes das Essenzielle, die Tinte. Aber manana, da haben sie’s wieder, HAHA.
Letzer Ort ist ein Architekturbüro direkt an der Rampa. Aber auch hier ist nichts zu machen.
Gefrustet trinken wir uns ein Refresco am Pavillon. Alle sind nun ziemlich genervt. Zurück an der Cujae angekommen erzählt uns Yarenny das, was wir eigentlich schon wissen. Die Professorin sagt, es fehlen noch einige Sachen aber wir haben bis morgen um 9 Uhr Zeit alles abzugeben. Ich verlasse die beiden Mädelz und spreche noch vorher mit Profe. Sie ist sehr genervt, weil am Abgabetag alle Studenten irgendwelche Ausreden erfinden (oder auch nicht erfinden, so wie in unserem Fall), warum sie nicht ihr Projekt pünktlich abgeben können. Ich fahre mit dem Bus, dann mit dem Taxi zurück. Es ist nun 15:30 Uhr und müde schlendere ich am Hotel Occidental vorbei. Irgendwelche Staatsmänner versammeln sich dort. Geschafft komme ich zuhause an und danke noch einmal Brenda für ihre Fürsorglichkeit.

Am Abend nach ein paar Stündchen Schlaf ruft mich Adela an. Sie sagt, dass sie gerade einen Bekannten bei sich sitzen hat, welcher die Pläne ausdrucken kann. Ich frage Percy, ob er mich rasch nach Marianao (Stadtteil) begleiten kann, weil dieser Stadtteil bei Nacht nicht ganz ungefährlich ist. Mit dem Lada gehtz wenig später ins tiefste Marianao. Nach einer halben Stunde Suche finden wir dann auch das Haus. Adela hat immer noch nicht geschlafen, machen insgesamt 36 Stunden ohne Schlaf.
Aber auch für mich ist wieder Arbeit angesagt: Die Professorin will noch Renderings von Innenräumen sehen.

15.12.11

Nach einer sehr kurzen Nacht geht es zur Cujae. Adela sagte mir gestern, dass ich die Sachen um 11 Uhr abgeben kann. Vorsichtshalber fahre ich aber schon um 9 Uhr hin. Kurz nach neun frage ich die Professorin, ob ich den restlichen Kram nun abgeben kann. Sie sagt, dass die Abgabe um 9 Uhr war und es jetzt schon dafür zu spät ist. Ich versuche mich mit meinem Spanisch zu rechtfertigen, aber scheinbar reichen meine Kenntnisse nicht dafür aus.
SCHREIEN??? Ich bleibe gefasst. Dieses Land wird immer mehr für mich zu einer Tragödie. Es gibt hier einfach KEINE verlässlichen Aussagen und es herrscht Willkür. Sie sagt, wir können unser Projekt morgen um 9 Uhr abgeben. Enttäuscht fahre ich nach Hause.

16.12.11

Heute ist Präsentieren angesagt. Ich fühle mich nur gar nicht dazu in der Stimmung. Die Projekte die präsentiert werden sind gut und durchdacht. Ein companero aus meiner Gruppe hat eine sehr europäische Lösung gefunden, wird jedoch mehr oder weniger von den Professoren zerrissen. Aber so ist das hier. Wenn jemand mal frische Ideen in etwas hereinbringen möchte, so ist dieser jemand gleich ein Dorn im Auge der konservativen Partei.

Ich ziehe hier erstmal einen Schlussstrich für mein Studium und lasse es mir mit Andreas und Tim in „La Lisa“ gut gehen. Dort gibt es heute eine Studentenparty. Am Eingang gibt es eine große Schlange, also ist erstmal wieder Warten angesagt.
Jedoch kann man das immer ganz gut mit dem Kennen lernen des anderen Geschlechts verbinden. Im Innern des Gebäudes, welches normalerweise als Restaurant dient und sich „Pedregal“ nennt, läuft härtester Reggaeton. Die Leute sind gut drauf und die Stimmung ist Top.
Nach mucha fiesta müssen wir aber auch aus dieser Gott verlassenen Ecke nach Hause finden. Andreas hält ein Auto für uns an und das Schauspiel nimmt seinen Lauf. Tim und ich beobachten Andreas, wie er mal wieder seine Feilsch-Talente benutzt um uns ein günstiges Taxi zu beschaffen. Von uns wird er nur noch „maquina Andreas – Andreas die Maschine“ genannt, welches nicht nur auf das Feilschen mit Taxifahrern zutrifft.

17.12.11

Um noch mehr Abstand von dem Uni Stress zu gewinnen, haben wir eine kleine Reise nach Soroa geplant. Naja, was heißt geplant. Es soll eher ein Abenteuertrip werden. Und das wird es dann auch. Wir, das heißt Andreas, Tim, Stephan und ich, brechen frühst um 11 Uhr auf. Brenda war so nett, mich direkt zu Andreas und Tim zu fahre. Kurz noch mal zu Stephan: Stephan ist ein Besucher von Elisa, welche aber das Land seit gestern verlassen hat und Stephan somit „alleine“ zurückgeblieben ist.
Gemeinsam brechen wir auf, um wenig später den nationalen Busbahnhof nähe Plaza de la Revolucion zu erreichen. Dort gibt es sowohl Busfahrten als auch Taxifahrten. Mit Taxis meine ich natürlich die alten Oldtimer Taxis, welche für ein paar Pesos überall hinfahren. Unser Andreas diskutiert wieder hart mit den Leuten und so kommt es nach einiger Zeit, dass wir eine Taxifahrt für 6 CUC pro Person nach Soroa bekommen. In dem Taxi, nennen wir es mal Großraumtaxi, sitzen auch noch andere Leute denen klar gemacht wird, dass wir über Soroa nach Pinar del Rio fahren. Kleiner Umweg aber kein Problem.
Nach einer gemütlichen Taxifahrt erreichen wir nach 1 ½ Stunden auch schon das verschlafene Nest namens Soroa. Es gibt dort nicht viel, und ich wage es nicht, es als Dorf zu bezeichnen. Aber das ist ja genau das, was wir wollten. Natur und raus aus diesem verdreckten Habana. Und die Landschaft ist wirklich sehr eindrucksvoll. Unsere erste Station ist das einzige Hotel in diesem Kaff. Es gibt dort ein kleines Geschäft wo wir uns mit Wasser und Rum eindecken. Danach geht es weiter die Bergstraße hoch. Wir fragen einige Leute ob sie etwas zu essen für uns haben, aber die Dorfbewohner stellen auf stur, bzw. verlangen 7 CUC für ein Essen. Jedoch geben sie uns immer den Tipp, wir sollten doch weitergehen. Auf der rechten Seite würden wir dann eine kleine Cafeteria finden wo es Essen für MN gibt. Und tatsächlich. Die Leute sind nett und das essen ist reichhaltig. Gut gelaunt geht es auf die Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten. Eine Frau bietet uns dann ein Casa Particular für unschlagbare 20 CUC an!!! Das sind 5 CUC pro Person und für das Frühstück will sie auch nur 2 Dollar (zur Erinnerung: CUC = Dollar). Die Familie wohnt gemütlich und das kleine Gästehaus mit Palmendach liegt idyllisch im Garten. Einziger Haken: Es gibt nur zwei Betten. 4 Jungs und 2 Betten? Wieso will mir dieser blöde Film namens Brokeback Mountain nicht aus dem Kopf gehen. Haha, ich spaße ja nur.
Es ist noch früh, also machen wir uns auf und unternehmen eine kleine Wandertour zu einem Wasserfall. Der soll in Soroa besonders schön sein. Eintritt wird auch verlangt, aber wir sind ja Studenten und so zahlen wir in MN, hehe. Am Wasserfall angekommen springen Andreas und ich sofort ins kalte Wasser. Die anderen Beiden wollen nicht so recht, aber die Qualität des Wassers ist herrlich.
Und weil wir ja immer noch etwas erleben wollen, beschließen wir hoch zum Mirador zu gehen, also einem Aussichtspunkt auf dem Berg. Nach der Hälfte treffen wir auf einen Kubaner, der uns davon abrät, noch weiter hoch zu laufen, da es gleich dunkel wird. Aber die Hälfte reicht uns auch für Heute. Eine fabelhafte Aussicht haben wir dort und man kann sogar bis zum Meer schauen, welches wir auf 30km Entfernung schätzen.
Nach einem Bierchen im nahe gelegenen Hotel geht es auch schon in die Heia. 22 Uhr, aber was soll man machen. Hier gibt es NIX.

18.12.11

Nach einem deftigen, jedoch sehr mageren Frühstück brechen wir auf um die Gegend zu erkunden. Zuerst war ja der Aussichtspunkt auf der Bergspitze vorgesehen. Nach 1 Stunde ist auch das geschafft und auf der Bergspitze treffen wir auf einen älteren Kubaner. Er verkauft dort täglich seine Handwerkskunst. Man, ich kann euch sagen, das ist ein einsamer Beruf. Dort gibt es nämlich nichts außer einem fabelhaften Ausblick und ab und zu Touristen. Klar, dass er seine Rum Flasche neben sich stehen hat.
Stephan kann perfekt Spanisch und fragt ihn, welcher Berg dort drüben ist. Er sagt, dass das Las Terrazas sei, 17 km von hier entfernt. Stephan will am liebsten sofort durch den Wald lossprinten, aber der Kubaner gibt uns noch einen weiteren Tipp: Ein Fußmarsch zu einem schönen Fluss, mitten im Urwald. Er erklärt uns den Weg und wir machen uns auf.
Nach ca. einer Stunde Fußmarsch über einen kleinen Weg, der von anderen Personen platt getrampelt wurde, hören wir plötzlich Hunde bellen. Mist. Hunde hier im Wald? Wildhunde und dann vll. auch noch mit Tollwut? Jeder schnappt sich einen Stock um sich im Notfall wehren zu können. Doch gleich darauf sehen wir den Besitzer dieser Hunde. Wir grüßen ihn freundlich und passieren. Man, ich hätte wirklich gedacht, wir sind die einzigen in diesem Gott verlassenen Wald. Wenig später treffen wir sogar auf den zweiten Jäger und dann noch auf einen dritten. Wir fragen den dritten, was sie denn jagen. „Palomas“ bekommen wir als Antwort. Taubenjagt im Dschungel? Na ok, wollen wir’s mal glauben. Bei einer Weggabelung sind wir uns nicht ganz sicher. Ich entscheide mich in diesem Falle immer für den linken Weg, aber wir gehen den rechten und siehe da, ein weiterer Kubaner. Hockt mit seinem Gewehr und einem großen Messer auf einem Stein. Er sagt uns, dass wir nicht weiter gehen können, da hier die Militärzone anfängt und dass wenn sie uns sehen, sie uns einsperren. Ganz schön viel Action hier irgendwo im Nirgendwo.
Also geht es weiter in die andere Richtung, wo wir auch nach einem weiteren anstrengenden Fußmarsch durch sengende Hitze dann doch endlich den Fluss erreichen. Grandios. Der Fluss ist ein Traum! Unberührt fließt er durch die grüne Landschaft und keine Menschenseele weit und breit. Gerne gebe ich später auch eine google Earth Beschreibung, sodass ihn auch andere Touris finden können wobei dazu gesagt sei, dass die Strecke nicht ganz ungefährlich ist.
In dem Fluss, wessen Flussbett nun wirklich nicht tief ist, wird dann erstmal gebadet und genossen. Ca. eine Stunde verbringen wir in diesem Paradies, bevor wir aufbrechen um unseren Fußmarsch fortzusetzen. Stephan ist dabei die treibende Kraft. Nach nur kurzer Zeit sind wir uns nicht mehr ganz sicher, ob der platt getretene Fußweg denn noch existiert, oder ob wir uns da nicht etwas vormachen.
Die Bäume werden jedenfalls dichter und auch die Dornenpflanzen, was später unsere zahlreichen Schrammen erklärt. Wir Idioten haben auch noch kurze Hosen an. Es geht bergauf und wir sind jetzt schon zu weit gewandert um nun zurück zu kehren. Irgendwas wird es auf der Bergspitze schon geben. Aus unserem wandern wird jetzt jedenfalls langsam ein Klettern. Auf losem Geröll machen wir Strecke. Doch auch das Geröll verschwindet langsam und so müssen wir uns durch Dornenbüsche kämpfen. Die Steilwand ist für uns schon gefühlte 90° aber an Umkehren denkt keiner. Nach viel Schweiß und Zorn kommen wir jedoch auf dem Gipfel an. Aber dort ist NICHTS! Keine Straße, wie wir vermutet haben, keine Hütte, nichts eben. Nur Bäume und es gibt auch keine Lichtung, wo man sich mal orientieren könnte und ist jmd. schon mal auf eine Palme geklettert? No Chance! In zwei Stunden wird es dunkel und dann ist unsere kleine Abenteuer Exkursion gar nicht mehr so lustig. Andreas und Tim meinen Wasser zu hören. Ein Fluss! Ich höre jedoch nur den Wind, der die Stille bricht. Ich habe das Gefühl, dass wir langsam verrückt werden und wenn wir nicht genau den Weg zurückkehren, den wir gekommen sind, wohl gar nicht mehr zurückkehren. 4 Männer im Wald, geschluckt von der enormen Größe des Waldes. Wir stimmen demokratisch ab. Weitergehen oder zurückgehen. 2 gegen 2. Na toll. Aber irgendwie kommt dann doch wieder die Vernunft zurück und Stephan redet den beiden gut ein, dass es wohl doch das Beste wär’, sich zurück zu kämpfen, auch wenn es hart wird ohne Machete und Karte (hier übertreibe ich vll. ein bisschen, aber ein Buschmesser wäre wirklich sehr sehr hilfreich gewesen). Auf dem Berggipfel finden wir auch noch einen Baum der Grapefrüchte trägt. Bitter aber doch lecker.
Wir erkämpfen uns unseren Weg zurück, doch WAS war unser Weg? Alles sieht gleich aus. Ich versuche den anderen zu erklären, dass wir uns auf dem Hinweg immer rechter Hand gehalten haben und das wir auf dem Rückweg genau das selbe machen müssen, also uns immer rechter Hand halten. Das machen wir dann auch sodass wir wieder zum Geröllpfad kommen. Unsere Beine und Arme sind nun vollends verschrammt und die Mosquitos werden auch immer mehr.
Ich hole jetzt auch nicht mehr weiter aus. Nach einem ganzen Tagesmarsch mit einigen Orientierungsproblemen haben wir es dann doch noch zurück in unser Casa Particular geschafft, wo wir völlig erschöpft einen kleinen Haufen an Abendessen bekommen haben. Na toll. 21 Uhr, Schlafenszeit.

19.12.11

Frühstück um 9. Ausgeruht und dennoch ziemlich fertig von der Kletterei, verlassen wir Soroa zu Fuß um hoffentlich nach 17 (später haben wir erfahren, dass es 19 sind) KILOMETERN Las Terrazas zu erreichen. Es ist ein wirklicher Horrormarsch, da wir ja auch unser Gepäck mitschleppen müssen. Aber wir wollen es so, da wir ja im Natururlaub sind. Und zu einem Natururlaub gehören natürlich Naturburschen, HAHA. Der Weg ist deswegen hart, weil die Temperaturen nicht gerade milde sind und der Weg durch die Berge führt, also hinauf und hinab. Ich stoppe die Zeit und gebe stündlich die Zeit durch, damit wir wissen, wie viel Strecke wir ungefähr schon zurückgelegt haben. Es geht quasi pausenlos durch. Nach zwei Stunden schreien Tim und Andreas mir auf einmal zu: Cumpleanos Feliz! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Hatte ich ganz vergessen. Ich bedanke mich recht herzlich und wir stoßen mitten auf der Straße mit Rum an, den Andi ja vorgestern noch eingekauft hatte. (@Kim: danke für deine SMS, hatte dort sogar Empfang).
Nach exakt 4 Stunden Fußweg und völlig geschafft, erreichen wir dann Las Terrazas. Las Terrazas liegt ca. 1 ½ Stunden entfernt von La Habana und ist ein Ausflugsziel für Touristen mit einem kleinen See und schöner Berglandschaft.
Dort gibt es jedoch nur ein 4 Sterne Hotel welches unser Budget übersteigt. MIST! Eine andere Alternative sind die im 3km entfernten Rio San Juan gelegenen Bungalows. Kleine Hütten die auf Stelzen stehen und gerade Platz für zwei Betten bieten. Also Camping. Der Fluss San Juan bietet auch Naturbäder. Stephan beschließt uns zu verlassen und nach La Habana zurück zu kehren. Nun sind wir nur noch zu dritt und packen’s an. Weitere 3 km wandern. Mit dem weiten Weg durch Las Terrazas macht das in Summe schon 23 km. Nie in meinem Leben so viel gewandert. Am Rio dann erstmal gebadet und danach einen neuen Schlafrekord aufgestellt. 19 Uhr, Schlafenszeit. Aber was will man machen.

20.12.11

Um 9 Uhr bekommen wir unser Frühstück, welches diesmal schon ein wenig mehr enthält, aber immer noch ziemlich dürftig ist. Danach brechen wir auf um den Rückweg nach Habana anzugehen. Aber nicht zu Fuß, diesmal mit dem Auto. Von Las Terrazas fährt uns ein Taxi zur Autobahn. Dort werden wir „rausgeworfen“. Ein anderer Kubaner wartet auch auf eine Mitfahrgelegenheit, aber nicht nach Habana sondern in die andere Richtung. Er sagt, wir sollen doch nicht nur mit unserer Hand winken, vielmehr mit Geld, sonst würde keiner halten.
Gesagt, getan. Und nach nur kurzer Zeit kommt auch schon ein Viehwagen, welcher jedoch keine Tiere transportiert, sondern Leute vom Lande die auch nach Habana wollen. 20 Pesos kostet uns der Spaß. Also Weniger als 1 Dollar. In Habana geht es erstmal zu unserem Lieblingsitaliener gegenüber vom Capitolio wo wir uns große Essensportionen bestellen. Das tut gut.
Bei Andreas und Tim zuhause angekommen, erhalte ich sogar noch ein Geburtstagsgeschenk. Danke liebe Kollegen!

Verfasst von: hoshoway | 10. Dezember 2011

Bertholt Brecht

07.12.11
„Beltolt Blescht“ – So sprechen die Kubaner hier die Diskobar des gleichnamigen Schriftstellers Bertolt Brecht aus, welcher ja aus marxistischer Sicht mit dem theaterwirksamen Mittel des epischen Theaters belehren wollte und somit hier in Habana nicht fehlen darf.
Andreas und ich entscheiden uns aber vorher erstmal dafür uns ganz gemütlich um 8 Uhr Abends zu treffen um dann gemeinsam etwas essen zu gehen. Wir fragen also am Abend meine Familie, wo man denn hier in der Nähe etwas zu Abend essen kann. Eine Art Cafeteria soll es sein, nicht zu teuer. 5ta Avenue y 62 wird uns vorgeschlagen. Im Wohnzimmer meiner Familie sitzt auch der Maler, der zurzeit das Treppenhaus bei meiner Gastfamilie streicht und nickt zustimmend. „Ja, es ist sehr fröhlich dort, mit vielen jungen Leuten“. Ich frage, ob das nicht das Touristenzentrum sei, aber die Anderen verneinen. Also machen Andreas und ich uns nach einem kleinen chupito Ron auf, um diesen sagenumwobenen Jungbrunnen zu entdecken. Auf dem Weg sind wir uns noch mal kurz unsicher und fragen zwei Kubanerinnen die uns weiter weisen.
Angekommen ist es ja DOCH das Touristenzentrum von dem ich gesprochen habe. Es steht zwar nirgendwo Touristenzentrum, aber die Preise sind in CUC. Das verrät alles. Nun gut. Wir setzten und neben ein paar laute Amerikaner (was machen die denn hier und wie sind die hier reingekommen, HAHA).
Nachdem ich meine Pizza mit zuviel Käse und zu wenig Tomatensoße, jedoch angemessen viel Thunfisch aufgegessen habe und Andreas sein halbes Hähnchen aufgegessen hat, stehen wir an der Straße um uns ein Taxi zu rufen. Im Dunkeln erkennt man manchmal nicht, was denn nun ein Taxi ist und was nicht. Da gibt es hier ja riesige Unterschiede. Na jedenfalls auf gut Glück mal das Däumchen rausgestreckt und siehe dar, ein flotter Wagen hält mit quietschenden Reifen just vor unseren Füßen. Mit Navi und google Maps ausgestattet (keine Ahnung wie das hier funktionieren soll), fragen wir den Fahrer ob er uns zu 3er y 8 bringen kann. Ich hatte im Vorhinein dort angerufen und gefragt, was dort heut Abend geht und der Mann am Tele meinte, viel Party für 5 CUC. Na also denn.
Der Fahrer verlangt von uns 20 Pesos, aber wir bleiben hartnäckig und sagen ihm: 10 Pesos, nada mas.
Wir steigen ein. Das erste mal das wir mit einem Auto fahren, welches nicht älter als 10 Jahre ist. Natürlich ist das nicht ganz legal, denn der Mann hat ja keine Lizenz, aber um sich ein paar Pesos zu verdienen machen die Kubaner eben fast alles.
Vorm Tercer y Ocho ist einiges los und wir werden auch gleich von einer kleinen Kubanerin angesprochen. Woher wir denn kommen, wo wir hier wohnen bla bla bla. Andreas und ich sind ja nun schon alte Hasen in Sachen Kuba, um zu wissen, dass DIESE Frau es eher nicht ernst meint. Ich sage ihr ganz locker: „ Muchas gracias mi amor, pero hoy no“ – Vielen Dank kleines, aber heute nicht. HAHA. Andreas und ich lachen herzhaft. Es ist einfach IMMER das gleiche mit diesen Frauen. Und ich finde es ganz furchtbar abstoßend und widerlich, wenn man bedenkt, dass dieses Mädchen, die vll. gerade mal 17 Jahre alt ist, ihren Körper für vll. 10 Pesos Convertible dem nächst besten Ausländer verkauft.
Andi und ich werfen einen kurzen Blick in die Disko, aber nix los. „Nada ni papa“, – „es gibt gar nichts“ wie ich immer so schön zu sagen pflege.
Danach statten wir noch dem Atrill im Carlos Marx (Karl Marx) einen Besuch ab, aber das hat geschlossen.
Nützt ja nix. Wir sind in guter Stimmung und möchten feiern gehen und so laufen wir wieder mal nen Kilometer zur nächsten Hauptstraße um dort eine Maquina zu erwischen. An der Ampel warten wir auf ein Taxi. Es hält ein Auto. Eine Frau die hinten sitzt fragt uns, wo es denn hingehen soll. „Bertolt Brecht“ antworten wir und sie sagt: Steigt ein. Uns ist ein bisschen mulmig und wir fragen nach dem Preis. 10 Pesos MN, ob das ok sei. Die Frau bejaht. Als wir uns reinsetzen kommt mir ein starker Marihuana-Geruch entgegen. Andreas fällt das nicht weiter auf. Nun ist mir doch etwas unwohl. Aber man hat hier ja schon so einige Taxifahrten überlebt, warum nicht auch diese. Im Auto sitzen nun Andreas und ich, eine Frau mit ihrem Mann und ihre Tochter. Scheint wohl, dass sie gerade von einer Party kommen und sie sehen ganz gut betucht aus. Der Vater ist wirklich lustig, hält mit uns Plauschchen und fängt auf einmal damit an, dass er uns doch ganz gerne 10 CUC berechnen möchte. Andreas und ich versuchen ihm, gut gelaunt wie wir sind, den Preis auszureden. Er kommt mit Argumenten wie: Ja, aber ihr wisst ja, die kubanischen Mädchen sind die schönsten der Welt und auch nicht umsonst. Und auch so sei ja das kubanische Volk so sehr liebenswert, dass es wie alles seinen Preis hat.
Ähm, ok. Der Vater hört nicht auf uns diese 10 CUC abschwatzen zu wollen und seine Tochter fängt schon langsam an, ihn zu beschwichtigen. Es ist auf jedenfall sehr humorvoll in diesem Wagen der reichen Ausländer. Am Bertolt Brecht angekommen, wollen wir ihnen dann die 10 Pesos, aber in MN in die Hand drücken und der Vater sagt so etwas wie: Aber bitte. Wir sind doch keine Unmenschen. Jetzt geht schon. Puh. Der Mann hat uns echt die ganze Fahrt in Atem gehalten und uns ganz schön reingelegt.
An der Tür zum Berthold Brecht unterhalten wir uns lautstark über die Fahrt, als uns auf einmal eine Deutsche anspricht. Was denn heute im Berthold Brecht geht, will sie wissen. Man kommt ins Gespräch und Sandra erweist sich als wirklich nett. Später erfahre ich, dass das schon ihr 9tes Mal auf Kuba ist und gerade so etwas wie ne Auszeit nimmt. Wir tauschen unsere Nummern aus, da sie sich scheinbar ein bisschen verloren fühlt, zwischen den ganzen Kubanern.
Im Musiksaal treffen wir dann auch auf Elisa mit ihrem deutschen Besuch und auf die Spanier. Die Musik ist diesmal wirklich außerordentlich gut. Es ist kubanische Musik die von zwei mulattischen Sängerinnen begleitet wird, welche eine super Ausstrahlung haben und denen wohl das Lachen angeboren ist. Auch gesanglich haben sie einiges zu bieten.
Das Berthold Brecht vermittelt dennoch eine sehr europäische Atmosphäre, weil das Publikum sehr europäisch erscheint.
Nach einem gelungenen Abend geht es für mich zurück ins weit entfernte Miramar.

08.12.11
Tun Tun. So nennt sich die Bar über dem Casa de la Musica in Miramar und ist um einiges günstiger als die große Disko im unteren Geschoss. Das Ambiente ist wirklich gemütlich und hat mehr den Ruf einer Künstlerbar mit Newcomer Auftritten, welche es aber in sich haben. Genre: Soft-Rock, Rock, Pop, Salsa und Hip Hop. Bier 1 CUC.

10.12.11
Es geht für mich und meine Gruppe in die Projektendphase. Ich hoffe nun wirklich, dass meine beiden kubanischen Mädelz mitziehen und wir am Ende ein schönes Projekt abliefern können. Hier hat man ein Studienjahr in Trimester eingeteilt, welches aus meiner Sicht mehr Druck auf die Studenten ausübt und weniger Freizeit lässt. Ich finde das System gar nicht mal so schlecht und auch die Aufteilung der Blöcke und Fächer sind gut organisiert und abwechslungsreich. So hat man hier zum Beispiel in einem Trimester ein Fach, welches sich ausschließlich mit Stahlbeton beschäftigt und die Studenten zu Stahlbeton Spezialisten macht. Auch gibt es ein Fach Namens Philosophie, welches sich mit Raumstrukturen, Farben und Raumwirkungen beschäftigt.
Meine Leute sind heute nach Cayo Largo geflogen und so habe ich genug Zeit, mich auf mein Studium zu konzentrieren. Leider ist das Wetter eher regnerisch, was sich aber von einem Moment auf den anderen ändern kann. So spare ich mir auch den Inlandsflug, von dem ich schon einige Horrorgeschichten gehört habe und der wirklich nicht zu empfehlen ist. Bin gespannt auf die Erzählungen meiner Kollegen.

Verfasst von: hoshoway | 7. Dezember 2011

Pajeros

03.12.11
Ich weiß, ich weiß. Meine Berichte werden weniger. Aber es ist wie mit den Frauen. Am Anfang ist noch alles aufregend und spannend, und dann kommt die Routine ;-)
Momentan bin ich auch ziemlich in mein Studium eingespannt, da es auf die Endprüfungen zugeht. Nur noch eine Woche bleibt mir und meiner Gruppe, sodass Endspurt angesagt ist. Das ist auch der Grund, wieso ich nächstes Wochenende nicht mit den anderen nach Cayo Largo fliegen kann, für einen angemessenen Preis von wohlgemerkt 130 CUC all inclusive. Gemeinheit.
Letztens habe ich mich noch ein wenig über die Kubaner amüsiert, wie sie mit der Kaltfront umgehen, und nun hat es mich auch erwischt. Wollte es bis zum bitteren Ende nicht wahr haben, dass man hier auch mal einen Pullover anziehen muss.
Aber ich habe einen neuen Touristentipp: Das Staatsballett im Gran Theatro zwischen dem Capitolio und Hotel Inglaterra. Für Touristen kostet der Eintritt 25 CUC. Ob sich das für einen lohnt, muss man dann jedoch selbst entscheiden. Da es für mich nur 2 Pesos (also ein paar Eurocent) gekostet hat, kann ich sagen: „Hat sich gelohnt!“ Eine sehr professionelle Besetzung an Akteuren und es wurde sogar die Primaballerina Spaniens eingeflogen.
04.12.11
Nach einem anstrengenden Projekttag am Abend dann die Entspannung. Mit Andreas fahre ich zum Kino Acapulco, in welchem heute ein Deutscher Film gespielt wird: Soul Kitchen. Lange haben wir darauf gewartet, endlich hier mal einen Film auf Deutsch zu sehen und somit ALLES zu verstehen. Man, der Film war echt klasse und auch die Kubaner haben herzlich gelacht. Bei Andreas und mir kam sogar ein bisschen Patriotismus auf. Das Kino war wirklich überfüllt, weil ja gerade das 33. Filmfestival in Habana stattfindet. Und wir haben jeweils 15 Karten, keine Ahnung wie wir die innerhalb so kurzer Zeit verbraten wollen.
Danach noch mit den Mädelz, Elisa und ein paar Kubanern in den Park gesetzt und gequatscht. Ist immer wieder nett mit Kubanern zu quatschen. Was sie im Leben schon erlebt haben, wie sie sich hier durchschlagen und was ihre Motivation ist. Nicht selten hört man dann: Eines Tages hier rauskommen. Um dann nach einigen Jahren wieder zurück zu kehren weil die Kubaner dann einsehen, wie hart der Kapitalismus ist, wie sehr sie das kalte Wetter schlaucht (viele gehen nach Deutschland, Canada oder andere kalte Staaten) oder gar die Anonymität und Individualität in solchen Ländern.
07.12.11
Also jetzt mal ein kleines Resümee. Oder sagen wir besser vorher-nachher-Vergleich über meinen Aufenthalt im Bezug auf Vorurteile im Sinne von „vorschnell urteilen“.
Vor meinem Kubabesuch hatte ich mich viel belesen und war somit ziemlich voreingenommen. Gerade Reiseführer überbringen das Bild einer heilen und fröhlichen Welt hier auf Kuba. Für einen kurzen Touristentripp mag es ja hilfreich sein, aber für einen längeren Aufenthalt reicht der Reiseführer dann irgendwann nicht mehr aus. Auf einer Seite steht dann mal kurz etwas von Kriminalität oder den so genannten „Schleppern“. Also, dem Reiseführer ziehe ich dann doch lieber die Blogs vor um sich auf einen längeren Aufenthalt vorzubreiten. Von denen gibt es ja mittlerweile einen ganzen Haufen und empfehlen kann ich http://www.lostincuba.com .
Am Anfang war ich vieeel zu misstrauisch den Kubanern gegenüber und ziemlich verschlossen. In den ersten Tagen hatte ich in vielerlei Hinsicht angst. Angst um mein Portemonnaie, um meinen Reisepass den ich da noch immer mitgeschleppt habe. So viele Schwarze, überall wo man hinschaut. Das war mir nicht vertraut. Es hat also 2 Wochen gedauert, bis ich gemerkt habe, dass alles halb so wild ist. In Deutschland, da muss man Angst haben, wenn mitten in der Nacht durch einen dunklen Patt oder Feldweg auf einmal Schritte von hinten kommen, schneller werden und dann direkt hinter dir sind. Hier ist es normal und keinen stört’s, weil man weiß: Ach ist nur ein anderer Kubaner. Oder wie Stromberg einmal sagte: Trifft n Wolf im Wald auf nen anderen Wolf. Sagt sich der Wolf: „Ach, is nur n Wolf“. Trifft aber n Mensch auf n anderen Menschen im Wald sagt sich der gleich: „ Ui, könnte ein Verbrecher sein.
Für die aufmerksamen Leser: Natürlich ist nicht jeder Deutsche ein Verbrecher und nicht jeder Kubaner nur ein Wolf. HAHA
Nervig sind nachts nur manchmal die Exhibitionisten, pajeros genannt, die psychisch krank sind und man einfach nur ignorieren sollte. Wer Lust hat kann sie aber auch anschreien oder laut auslachen und sich dann darüber amüsieren, wie sie verschreckt und ertappt wegrennen. HAHA
Einmal hatten wir so einen kranken Typen neben uns im Kino sitzen und Elisa saß direkt daneben. Nach einiger Zeit ist ihr das Mütze-Glatze spiel ihres Nachbarn so was von gegen den Strich gegangen, dass sie ausgetickt ist und ihn aus dem Kino herausgeschimpft hat. Ich habe mal Adela gefragt, was das denn alles soll. Ist es der Mangel an pornografischen Medien in diesem Lande? Sie meinte jedenfalls es ist eher so etwas wie Nervenkitzel, sich auf den Straßen so zu verhalten.

Von der kubanischen Freundlichkeit habe ich gerade im Dienstleistungssektor noch nichts gespürt. Da wird man meist nur blöd angeschaut oder gar nicht angeschaut. Na und mit Englisch kommt man da sowieso nicht weiter. Auf der Straße hingegen ist das was anderes. Immer hilfsbereit, offen und mit Rat und Tat zur Seite stehend. Viel mehr als die Deutschen. Nur hatte ich mir ein Bild von Kuba geschaffen, auch gerade durch die Medien, die Kuba als das glücklichste Völkchen der Erde darstellen, unbekümmert und sorglos. Wer zum Geier hat das Drehbuch zu Dirty Dancing 2 – Habana NIghts geschrieben??? Ist ja schrecklich. Nach einer Salsa Bar muss man hier schon etwas länger suchen und auf der Straße wird auch nicht andauernd nur getanzt. Da ist der Film „Buena Vista Social Club“ schon authentischer, jedoch auch durch den amerikanischen Einfluss verzerrt.
Was die Erziehung im Bezug auf Höflichkeit und Zuvorkommenheit angeht, so können die Kubaner noch etwas von den Europäern lernen, gerade in Sachen „Höflichkeitsfloskeln“.
Und wir Deutschen etwas von den Kubanern in Sachen: „Sich selbst nicht zu ernst nehmen“.
Aber genug für heut.
Kurzes Fazit: Das Beste ist wohl, ohne jegliche Kenntnis herzukommen und unvoreingenommen das Leben in Kuba anzugehen.
Danke liebe Leserinnen und Leser ;-)

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