Also vorab: Ich möchte mich bei meinen treuen Lesern (und die scheint es ja tatsächlich zu geben) dafür entschuldigen, dass ich einen halben Monat lang nichts verfasst habe. Mein Kubaaufenthalt neigt sich langsam dem Ende zu, und viele Dinge müssen aufgeholt werden. Deswegen habe ich keine Zeit gefunden, über Ereignisse zu schreiben. Die folgenden Einträge versuche ich so gut wie möglich wieder zu geben.
01.01. und folgende
Nachdem wir den Neujahrstag am Strand von Cayo Coco verbracht haben, besuchen wir am 02.01. die westliche Nachbarinsel Cayo Guillermo. Diese kleine Insel ist nur 13 km² groß. Hier gibt es eine unglaubliche Unterwasserwelt, die bei Tauchern sehr beliebt ist. Hemingway kam zum Fischen hierher und verarbeitete die Gegend literarisch in seinem Buch „Inseln im Strom“. Nach seiner Yacht „Pilar“ wurde der schönste Strandabschnitt Play Pilar benannt. Dieser gehört zu den schönsten Stränden Cubas!
In den folgenden Tagen geht unsere Reise weiter. Zunächst nach Santa Clara, die Ché – Stadt, wo Ché in einem aufwändigen Monument begraben liegt. Die Stadt versprüht ihren Charme. Das kommt zum einen durch die vielen nationalen und internationalen Studenten, zum anderen durch das Provinzielle. Alles ist sehr ruhig im Vergleich zu Habana und die Leute sind NOCH freundlicher. Diesmal habe ich mit meinem Papa einen netten Abend im Café Europa (empfehlenswert da sehr preiswert) bei coolen Unterhaltungen verbracht. Ich werde auch noch in diesem Blog alle Adressen der besuchten Casas mit Kosten und Infos verzeichnen. Meiner Mutter haben wir dann ein Thunfischsandwich mitgebracht. Sie hatte es vorgezogen in der Casa zu bleiben, da es an diesem Tag ausnahmsweise mal ziemlich kalt war. Auf unserer Reise haben sich meine Eltern und ich jedenfalls einige Magenverstimmungen zugezogen und das, obwohl wir die meiste Zeit in Hotels verbracht haben.
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Nach Santa Clara geht es am 04.01. weiter nach Varadero, um dort die restlichen Tage auszuspannen. Um 16:30 Uhr erreichen wir unser Hotel. Hier wollen wir noch 5 Nächte verbringen und relaxen. Das Hotel in dem wir untergekommen sind ist riesig, wirkt aber trotzdem gemütlich und liegt in einem großen Palmengarten mit riesiger Poolanlage. 6 Hotelgebäude umfasst der Komplex inklusive dem architektonischen Schmuckstück namens „Casa de las Cosmonautas“ (welches laut meines kubanischen Professors wohl Stil hat, man jedoch einiges hätte besser machen können). Zahlreiche individuelle Restaurants und Bars laden zum Schlemmen ein. „Sol Sirenas Coral“ nennt sich das All-Inclusive Hotel und ist in der Mitte der Halbinsel Varadero zu finden.
Eine Geschichte zu unserem Varaderourlaub picke ich dann doch noch mal heraus um zu zeigen, dass selbst in den touristischsten Gebieten kubanische Verhältnisse herrschen. Am ersten Abend in Varadero merkt mein Vater nämlich, dass er Probleme mit seinen Zähnen bekommt. Er hat eine geschwollene Wange (eitriger Zahn). Zum Spaß sagt er, dass wir ja Gott sei Dank All-Inclusive haben. So könne er doch jetzt einfach über den normalen Durst hinaus kubanischen Rum trinken, um dann betäubt seinen nervenden Zahn zu ziehen. Gesagt, getan. Nach einigen genüsslichen Schlückchen (damit meine ich Gläschen [mit Gläschen meine ich ganze Gläser!!]), verschwindet mein Vater alleine auf’s Zimmer, da ich mit Mutter noch die Umgebung erkunden möchte (wobei wir auch das Casa de las Cosmonautas entdecken) und als wir wiederkommen ist es schon geschehen. Vater hat sich einen Zahn gezogen (tapfer wie wir Deutschen eben sind, selbst unter Alkoholeinfluss *thumbs up*), jedoch ist damit der ganze Spuk noch nicht vorbei. Der Zahn ist abgebrochen. Nun, also muss am nächsten Tag die kubanische Zahnfee ran. Doch wo einen Zahnarzt aufgabeln? Man sagt uns, dass im touristischen Krankenhaus Varaderos zwar alles vertreten ist, jedoch kein Zahnspezialist. Die einzige Option sei aber ganz in der Nähe. Also nehmen wir uns ein Taxi (handelt in Varadero wirklich so viel wie möglich runter, alles andere ist Verarsche und reine Touristenabzocke) und statten dem Zahnarzt der Einheimischen eine Visite ab. Viele Kubaner warten im Wartezimmer. 4 Leute sitzen an der Rezeption und wie das nun mal in Kuba so ist, telefoniert die eine während die anderen drei gerade mal nichts tun. Ich frage einfach mal so in die Runde rein, ob das hier überhaupt der Zahnarzt ist. Ja, so sei es. Ich frage, ob sie nicht meinem Paps helfen können und versuche ihnen so gut wie möglich zu erklären, was ihm fehlt (geschwollene Wange und ein halber Zahn, ich weiß^^).
Die Frauen besprechen sich und ich höre heraus, dass es doch wohl besser sei, das im Krankenhaus gleich nebenan machen zu lassen. „Ach ihr Unwissenden“, denke ich mir und kläre die Leute, die verdammt noch mal hier WOHNEN!!, darüber auf, dass es dort keinen Zahnarzt gibt.
„Ah, ja! Stimmt ja!“ – „Also helft ihr nun meinem Paps?“. – „Klar“. Es kristallisiert sich heraus, dass eine dieser Schnarchnasen die Zahnärztin höchstpersönlich ist. Dann stellt sich heraus, dass diese Frau aber ganz fähig zu sein scheint. Sie erklärt mir sehr genau wo das Problem liegt, möchte daran nicht weiter herumbasteln sondern ihm erst einmal Antibiotika gegen die Schwellung verschreiben. Puh, aufatmen angesagt. Denn ihr wollt nicht wissen, wie hier die ärztlichen Räumlichkeiten aussehen und wie es um deren Hygiene bestellt ist. Am Ende bittet die Zahnarzthelferin um ein kleines „Regalito – Geschenkchen“. Mh, denke ich mir. Hab aber nix. Will se jetzt nen Blumenstrauß, oder wie? Ich sage, dass ich nichts zum verschenken habe, als beim hinausgehen klar wird, dass damit natürlich Geld gemeint ist. Also gebe ich der Ärztin 3 CUCs in die Hand und wir verschwinden.
Wir sollen zu einer ganz bestimmten Apotheke gehen, wo es die Tabletten für MN geben soll, also einheimische Preise. Hört sich gut an! (und ist eigentlich nicht erlaubt). Man wartet schon bereits auf uns. Die Apothekerin führt uns in einen alten Hinterraum wo gerade Handwerker arbeiten. Diese werden aber höflich heraus gebeten. Nun kommt eine zweite Frau mit den Tabletten. Mehr als wir eigentlich brauchen. Auch sie wollen wieder eine kleine Spende haben. Die Tabletten kosten für Kubaner einen feuchten Pups, für uns Touristen in den touristischen Apotheken aber ne Stange Geld. Wenn wir der guten Frau, die wirklich ganz jämmerlich zittert vor Angst (HAHA, als würden wir da gerade nen Drogendeal am Start haben), ein paar Pesos in CUC geben hat sie gutes Geld für ihre eigene Tasche gemacht und wir sind günstiger bei weggekommen als in dem teuren CUC Laden. Also geben wir ihr 5 CUC.
Die Tabletten wirken, so dass nach einigen Tagen die Schwellung zurückgeht.
Den Mietwagen hatten wir bereits am 1. Tag in Varadero abgegeben und fahren nun mit dem Viazul-Bus nach Havanna zurück. Wir hatten bereits einen Tag vorher reserviert, da diese Fahrt häufig ausgebucht ist. Die Fahrt von Varadero nach Havanna (ca. 150 Km) dauert ca. 3 Stunden und kostet 10CUC pro Person.
09.01.2012
Nachdem wir wieder nach Habana zurückgekehrt sind, bleiben meinen Eltern noch einige Tage in La Habana, in der Casa „Villa Allicia“. Die Vermieterin, Marta, spricht unsere Sprache sehr gut. Sie ist eine Professorin für Mathe und hat einige Jahre in Deutschland (ehemalige DDR, Ostberlin) studiert.
10.01.2012
Am nächsten Tag habe ich dann mit Percy vormittags eine Norwegische Architekturausstellung besucht. Anschließend brachte Percy meine Eltern und mich zur CUJAE, wo ich um 11:30 Uhr einen Termin mit Prof. Bancrofft hatte, um einen weiteren Termin zur Vorbesprechung meiner Vertiefungsarbeit zu vereinbaren. Danach zeigte ich meinen Eltern den Uni-Komplex. Wir besuchten noch Paola, die einen Job an der CUJAE hat. Danach sind wir mit dem P9-Bus (war wie immer extrem voll) nach Havanna/Vedado reingefahren und haben in einem Paladar, auf dem Balkon, für umgerechnet 1€ Reis mit Bohnen und Hähnchen oder Schweinefleisch und Getränk gegessen. Anschließend haben wir noch Pastorita, Elisa, Angelita, Carlos und und und besucht.
11.01.2012
Heute fahren wir mit der Fähre nach Casablanca.
Casablanca ist ein Stadtteil von Havanna. Es ist ein ehemaliges Fischerdorf und liegt hinter der Festung „La Cabana“. Wahrzeichen des Ortes ist die 18 Meter hohe Christusstatue aus weißem Italienischen Marmor, die seit 1958 über die Stadt wacht.
Von diesem Standort aus hat man einen herrlichen Überblick über die Stadt, die Bucht und den Hafen der Stadt.
Gegenüber der Statue schaut man direkt auf das Haus von Che.
An einem Tag fahren meine Eltern mit dem Bus nach Vinales. Sie sind die einzigen Deutschen im Bus und trotzdem wird die Reise in Deutsch und Spanisch erklärt.
Am 14.01. treffen wir (meine Eltern und ich) uns mit Elisa und Tim zum Essen beim Italiener. Anschließend gehen wir noch in ein Cafe zum Törtchenessen.
Den vorletzten Tag verbringen wir mit Percys Mum und Großmutter und schauen uns einiges in der Umgebung von Habana an. Sie zeigen uns Marina Hemingway, die Gedenkstätte von Celia Sanchez (Revolutionsgefährtin von Fiedel Castro), Parque Lenin usw. Die Finca von Hemingway war leider schon geschlossen.
Am letzten Tag sind wir noch bei Brenda zum Tee eingeladen und anschließend bringen Percy und ich meine Eltern zum Flughafen. Der Flieger geht um 21:00 Uhr mit Zwischenstopp in Paris nach Düsseldorf.
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Für alle die es interessiert und …
… auf den Wunsch von Damian hin hier noch einmal ein kleines Resümee, wer denn diese ganzen Charaktere wie Tim, Andreas, Elisa… sind, ohne dabei jedoch deren Privatsphäre zu verletzen (falls das nicht schon in meinem Blog geschehen ist)
Andreas (-la Maquina): Warum wird er von mir und Tim so genannt? Er hat’s einfach drauf. Studiert an der Cujae und hat bisher jeden Scheiß mit mir mitgemacht. Andreas ist der einzige Deutsche Kerl, der mich von Anfang an bis fast zum Ende meines Auslandsaufenthaltes begleitet. Danach geht es für ihn zurück nach Butzbach (nähe Frankfurt). Charakteristisch ist sein auffälliges und eindringliches Lachen, dass er so gut wie immer auflegt. Wappnet euch Kubanerinnen, es kommt Andreas la Maquina!
Tim: Studiert ebenfalls mit mir an der Cujae (Industrial) und kommt aus Belgien. Versteht daher ganz gut Deutsch, spricht mit uns aber Englisch oder Spanisch. Intelligenter Kerl mit dem ich hier schon viel zusammen erlebt habe und mir besonders durch sein klares, rationales Denken imponiert
Zuerst mit Andreas und George im Hotelito an der Cujae gewohnt, später mit Paola und Andreas in Vedado. Bald ein großer Verlust für die kubanische Frauenwelt.
Elisa: Sie ist die Frau vor Ort! Geht schon auf die dreißig zu, wovon man jedoch rein äußerlich gar nichts mitbekommt. Ihre Heimatstadt ist Dresden. Hat hier auf Kuba ihre Bachelorarbeit beendet und unterricht noch eine Weile Deutsch in der Flex für kubanische Studenten. Das ganze wird ihr durch den DAAD ermöglicht. Fröhliches und munteres Kind, allzu oft Opfer kubanischer Aufdringlichkeit in der Männerwelt. Bleib stark, Elisa
Percy: Kubanischer Freund und Kommilitone der Architekturfakultät. Bei ihm wohne ich nun schon eine ganze Weile. Kennen gelernt über Internetkontakte war er das beste, was mir passieren konnte. Dank ihm und seiner Mama, seinem Bruder und seiner Oma verbringe ich hier eine verdammt gute Zeit. Teils ein bisschen unkubanisch, weil in ihnen ganz tief drin immer noch Guatemala verwurzelt ist, aber das macht ja nichts.
Paola: Mitstreiterin aus Cadiz, Spanien. Sie teilt sich ein Apartment mir Tim und Andreas und das in friedvoller Harmonie
Sie arbeitet an der Cujae und bringt immer frischen Wind in die Sache und bringt sogar Kubanern Stimmung. Außerdem wurden wir durch sie in die spanische Kommune vor Ort integriert.^^
George: Student türkischer Abstammung, welcher uns die ersten Wochen hier in Habana begleitet hat. Er hat hier einen Spanischkurs absolviert und nebenbei noch die kubanische Kultur kennen und lieben gelernt. Mit viel Temperament hat er viel Schwung in die Sache gebracht.
Damian: Langjähriger Freund aus meiner Heimatstadt, welcher mich hier für 2 Wochen besucht hat. Dabei haben wir einiges, auch außerhalb Habana, gesehen. Integriert in meinen Freundeskreis hat er schnell einige Eigenarten dieser verrückten Welt kennen gelernt.
Thomas: Freund von Tim aus Belgien, welcher zufällig im gleichen Zeitraum wie Damian hier war.
Adela: Gute Freundin und Kommilitonin meiner Fakultät, durch welche ich das eigentliche kubanische Leben kennen gelernt habe. Sie hat wesentlich zu meiner Kubanisierung beigetragen und auch meinen Eltern einen unvergesslichen Kuba Urlaub ermöglicht. Zudem stehen/standen wir immer im fachlichen Austausch und viele Diskussionen über kubanische Architektur haben mir einen tiefen Einblick gegeben.
Jan: Eigentlich aus Deutschland, lebt aber in Venezuela und arbeitet dort als Deutschlehrer. Hat hier bei Fernando Spanisch gelernt. Über ihn habe ich überhaupt Fernando kennen gelernt. Jan wurde eines Tages hier auf der Straße von Elisa aufgegabelt und er kann euch sagen, was wirklich in Venezuela abgeht.
Felix: Kurzer Besuch aus Deutschland, der eines Tages an Elisas und meiner Tür angeklopft hat um nach einer Unterkunft zu fragen. Nun setzt er seine Tour in Südamerika fort und das wohlgemerkt ohne große Spanischkenntnisse und auf eigene Faust.
Ui. Wenn ich wirklich alle weiteren Personen aufzähle wird das eine seeehr lange Liste. Aber das sind so die immer wiederkehrenden Namen in meinem Blog.
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Na und was habe ich so in den letzten Tagen getrieben?
Vieles, und das obwohl Tim und Andreas gerade außer Lande sind, um Mexiko kennen zu lernen. Das Studium fordert mich jetzt noch mal so richtig und viele lange Nächte infolge machen Percy und mich ziemlich fertig. In Kürze findet auch noch ein Kulturfest an der Cujae statt, welches den Namen „Paris – Habana“ trägt und wofür wir eine Ausstellung vorbereiten.
Aber um nur kurz einige Events aufzuzählen: Am Fr. fand der all jährige Marsch der Studenten statt, in Gedenken an Jose Martis Geburtstag. Das sieht dann so aus, dass sich tausende von Studenten an der Universidad de la Habana treffen und dann mit selbstgebauten Fackeln bis zum Malecon herunter ziehen. Das ist ein sehr fröhliches Spektakel, welches in mir aber etwas Beunruhigung ausgelöst hat. Denn während in Deutschland die Studenten auf die Straßen gehen um gegen zu hohe Studiengebühren zu demonstrieren, geht man hier auf die Straße um das Land zu ehren und Teil dieses sehr umstrittenen Systems wird. Meinungsfreiheit adé!
Am Fr. vorheriger Woche hatte der Bruder von Percy einen Auftritt im Capri / Salon Rojo. Er ist Reggaeton Sänger und Adela und ich wurden ganz exklusiv eingeladen, in dem wohl teuersten Club ganz Kubas. Danach habe ich den Abend noch mit Adela im Hotel Nacional ausklingen lassen.
Des Weiteren habe ich in den letzten Tagen endlich mal den Cementerio Colon kennen gelernt. Der größte Friedhof ganz Latein Amerikas. Eine enorme und grandiose Landschaft an Marmorgräbern und Mausoleen so weit der Horizont reicht und das mitten in La Habana. Wir hatten dort Percys Opa besucht, der gleich neben der Blume von Kuba, Celía Sanchez seinen Platz gefunden hat.
Und in der Straße Infanta ist ein Haus eingebrochen. Einige Einwohner wurden getötet, viele Verletzte. Ich hatte die Ehre, die letzten Tage einiges mit einer deutschen Medizinstudentin unternehmen zu dürfen, die diese Menschen zu dem Zeitpunkt auch versorgt und genäht hat.